Julia Menke

Studentischer Wohnungsmarkt: Inflation treibt Mieten auf Rekordhoch

Julia Menke
Julia Menke
veröffentlicht am 25.10.2023

Der zweite Winter mit hohen Energie- und Verbraucherpreisen steht vor der Tür. Dabei macht die Inflation auch vor dem Mietmarkt keinen Halt und Studierende bekommen das besonders zu spüren. So ist die Warmmiete pro Quadratmeter im Wintersemester 2022/23 um knapp 10 Prozent im Vergleich zum Untersuchungszeitraum 21/22 gestiegen. In den Jahren zuvor gab es Preissprünge von maximal 5,8 Prozent. Wohnen ist für Studierende zu einem echten Kampf geworden. Eine gute Nachricht gibt es in diesen turbulenten Zeiten trotzdem: Der durchschnittliche Stundenlohn für Studierende steigt ebenfalls und gleicht vielerorts die teuren Mietkosten aus, sodass Studierende sogar etwas weniger arbeiten müssen, um sich die Miete leisten zu können.

Diese Ergebnisse gehen aus der Fachkraft 2030 Studienreihe hervor, die jobvalley gemeinsam mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University seit 11 Jahren gemeinsam erarbeiten. Bis heute haben deutschlandweit rund 400.000 Studierende und Absolvent*innen an den Befragungen teilgenommen. Die neuesten Ergebnisse zum Wohnungsmarkt stammen aus der 22. Befragung, die im April 2023 für das Wintersemester 22/23 erhoben wurde. Deutschlandweit haben rund 16.000 Personen an der Befragung teilgenommen.


Gleichbleibender Mietindex

Der Mietbelastungsindex zeigt, in welchem Verhältnis der Anstieg der Wohnkosten zur studentischen Lohnentwicklung steht. Er gibt an wie viele Stunden nebenerwerbstätige Hochschülerinnen und Hochschüler pro Monat arbeiten müssen, um sich die eigene Miete leisten zu können – in Abhängigkeit vom Verdienstniveau pro Stunde einerseits und den zu zahlenden Monatsmieten (warm) andererseits. Beide Werte bilden den Index.

Durchschnittlich mussten Studierende im Wintersemester 2022/23 fast 35 Stunden pro Monat arbeiten, um sich ihre Miete leisten zu können. Das ist etwas weniger als im Wintersemester zuvor mit monatlich 35,1 Stunden und immerhin eine gute Stunde weniger als zu Beginn der Fachkraft 2030-Erhebung im Jahr 2014 (36 Stunden pro Monat). Dabei sind die Warmmieten seit damals bundesweit um 36 Prozent gestiegen. Hohe Stundenlöhne können die hohen Mieten in vielen Regionen also ausgleichen – so zum Beispiel in Bayern. Im Warmmieten-Ranking ist das Land das drittteuerste, schneidet beim Mietindex aber deutlich besser ab. Heißt: Hier müssen die Studierenden im Schnitt weniger Stunden pro Monat arbeiten, um ihre Miete zu begleichen als beispielsweise in Hamburg, Saarland, Hessen, Berlin oder NRW.

München und Saarland bilden Ausnahme: Da München sowohl beim Quadratmeterpreis (25,4 Euro warm) als auch bei der absoluten monatlichen Warmmiete (567 Euro) die Liste anführt, müssen Studierende hier am meisten und deutlich mehr als der Durchschnitt arbeiten  – nämlich 40,1 Stunden pro Monat. Auch das Saarland fällt mit 36,5 Monatsstunden auf. Hier stehen vergleichsweise niedrige Mieten einem schlechten durchschnittlichen Stundenlohn gegenüber. Während das studentische Lohnniveau des Saarlandes 2013 mit 9,01 € noch nah am bundesweiten Durchschnitt lag (Platz 9 im Ländervergleich), bedeutet der zuletzt gemessene Wert von 12, 48 €  aktuell den letzten Platz.

Studentischer Mietbelastungsindex

Seit dem Start der Fachkraft 2030-Reihe sind die Mieten für Studierende stetig gestiegen, zum Wintersemester 2022/23 gab es aber noch einmal einen deutlichen Sprung nach oben. Für Studierende ist diese Mehrbelastung enorm – sie macht 45 % ihres monatlichen Budgets aus. Gleichzeitig sehen wir aber auch eine positive Entwicklung am studentischen Arbeitsmarkt. Durch die massive Nachfrage nach Arbeitskräften in fast allen Branchen steigen auch die Stundenlöhne für Studierende stark und liegen aktuell bei durchschnittlich 13,24 Euro. Bei jobvalley liegen wir sogar bei 13,91 Euro pro Stunde. In sogenannten White Collar Jobs im studentischen Bereich (zumeist studiennahe Fach-Tätigkeiten) haben Studierende außerdem die Chance auf Stundenlöhne von bis zu 20 Euro. – jobvalley CEO Clemens Weitz

Fünf Städte haben vergangenen Winter die Marke von 500 Euro bei der absoluten Warmmiete geknackt. Alle davon liegen in den alten Bundesländern. Die günstigsten Städte für den studentischen Wohnungsmarkt sind hingegen überwiegend in den neuen Bundesländern zu finden, darunter Halle, Dresden oder Jena. Hier zahlen Studierende immer noch deutlich unter 400 Euro warm pro Monat.

Studentische Monatsmiete pro Quadratmeter Wohnfläche – je Hochschulstandort

Der Quadratmeterpreis (warm) für Studierende ist bei mittlerweile 19 Euro pro Quadratmeter angekommen. Das sind 41 Prozent mehr als zu Beginn der Fachkraft 2030-Erhebung im Wintersemester 13/14. Absoluter Spitzenreiter ist München mit über 25 Euro pro Quadratmeter. Aber auch in den anderen großen Studierenden-Städten, wie Berlin, Hamburg, oder Frankfurt liegt der Quadratmeterpreise bei fast 21 Euro oder mehr. Nur in Köln fällt die Preissteigerung moderat aus und der Quadratmeter ist noch für unter 19 Euro zu haben.

„Die Lohnsteigerungen, unter anderem durch die Erhöhung des Mindestlohns und die hohe Nachfrage nach Studierenden auf dem Arbeitsmarkt, haben die Mietpreisentwicklung für Studierende bislang teilweise abfangen können. Aber: Allein die Kaltmieten sind mit über 10 Prozent schon so stark gestiegen wie noch nie zuvor. Bei Jobs über jobvalley verdienen Studierende überdurchschnittlich und damit weit über Mindestlohn – das ist aber in anderen Jobs oft nicht der Fall, hier wird knapp kalkuliert und es wird wenig Bewegung nach oben geben. Setzt sich der Miettrend also so fort, wird es für viele Studierende sehr eng. Die bisher eher moderaten Hilfen für sie, wie bspw. die geringe Bafög-Erhöhung, reichen nicht aus. Studierende müssen hier mehr Unterstützung erhalten, die Politik muss handeln – im Mittelpunkt soll ihr Studium stehen, nicht die Sorge darum, wie sie sich die Miete und Nebenkosten noch leisten sollen.” – jobvalley CEO Clemens Weitz

Durchschnittliche Warmmiete pro Quadratmeter im Zeitverlauf

Studierende wohnen auf weniger Fläche, WG beliebteste Wohnform

Aufgrund des starken Anstiegs beim Quadratmeterpreis (plus 10 Prozent im Vergleich zum WS 2021/22) versuchen viele Studierende bei der Wohnfläche zu sparen. So hat sich die von Studierenden bewohnte Fläche binnen eines Jahres um rund 3 Prozent bzw. um einen kompletten Quadratmeter verringert (von 28 auf 27 Quadratmeter). Bei Neumieten fiel dieser „Spareffekt“ sogar erheblich oberhalb der 3-Prozent-Marke aus.

Auf die Frage, wie Studierende wohnen, zeigt sich ein sehr gemischtes Bild. Der Favorit ist mit einem Anteil von 30 Prozent die Wohngemeinschaft. 26 Prozent der Studierenden wohnen in einer eigenen Wohnung*, obwohl das die teuerste Wohnform mit einer absoluten Warmmiete von durchschnittlich 547,68 Euro ist. 22 Prozent verfügen über einen Wohnheimplatz, der mit 379,15 Euro im Schnitt am günstigsten zu haben ist. Immerhin 18 Prozent der Befragten gaben an, bei den Eltern oder Verwandten zu wohnen.

Studentische Wohnformen

Weitere Insights zum studentischen Wohnungsmarkt in Deutschland finden sich in unserer neuesten Sonderauswertung der Fachkraft 2030 Studie.

Julia Menke
Über den/die Autor*in

Julia Menke

Meine Leidenschaft sind Bücher, deshalb studierte ich Literatur, Kultur und Medien mit dem Begleitfach Sprache und Kommunikation an der Uni Siegen. Nach meinem Volontariat im PR- und Marketingbereich und einigen Jahren in einer Agentur in Köln, bin ich ins Marketingteam zu jobvalley gekommen. Hier bin ich als Teamlead Content & PR tätig. Nebst dem Strategischen liebe ich es jedoch nach wie vor zu schreiben!

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