Weniger Jobs, stagnierende Stundenlöhne, mehr Kredite und höhere Mieten – wie Studierende durch die Pandemie kommen

Köln, 3. März 2021

Seit 2012 erarbeitet Studitemps, Deutschlands größte digitale Plattform rund um Jobs für Studierende und Absolvent*innen, zusammen mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University Studien zum studentischen Leben und Arbeiten. Die neueste Studie aus der „Fachkraft 2030” Reihe zeigt, wie sich der Jobmarkt und die finanzielle Situation von Hochschüler*innen durch die Corona Pandemie verändert hat. Dazu werden Daten aus 2019 (Befragung September & Oktober 2019) und 2020 (Befragung August & September 2020) verglichen. Befragt wurden gesamt über 28.000 Studierende deutschlandweit.

„Insgesamt zeichnet sich für Studierende in Deutschland ein sehr ernüchterndes Bild. Vielen ist der Nebenjob weggebrochen, einige Eltern können ihre Kinder nicht mehr finanziell unterstützen und zu allem Überfluss ist auch noch der Quadratmeterpreis der Kaltmiete gestiegen – wahrscheinlich ein Grund dafür, dass fast jeder Vierte mittlerweile bei den Eltern wohnt. Ein paar Lichtblicke gibt es allerdings trotzdem: Der Gender Pay Gap hat sich deutlich verkleinert. Der durchschnittliche Stundenlohn stieg um 1,8 % leicht an. Was wir bei Studitemps selbst beobachten können: Die Studierenden zeigen trotz der schwierigen Situation ein enormes Durchhaltevermögen und Arbeitseinsatz. Studitemps war 2020 Arbeitgeber für monatlich rund 7.500 Studierende – was nur möglich war, da die Hochschüler*innen so flexibel waren und neue Jobs, die sich ergeben haben (bspw. in der Logistik oder im medizinischen Bereich) dankend annahmen.” – Studitemps CEO Eckhard Köhn

Wer hatte noch einen Nebenjob?

Die vorliegenden Vergleichszahlen zeigen, dass die studentische Partizipation am Jobmarkt im Corona-Jahr 2020 gegenüber 2019 erheblich zurückgegangen ist. Während 2019 noch 63,1 % aller Befragten angaben, im Verlauf des Sommersemesters einer bezahlten Beschäftigung nachgegangen zu sein, sank die Beschäftigung im Vergleichszeitraum 2020 um annähernd 10 Prozentpunkte auf eine Quote von 53,2 %.

„Im Sommersemester 2020 gingen so wenige Studierende einem Nebenjob nach wie noch nie seit Beginn der Erhebungen zur Studienreihe `Fachkraft 2030´. Der Rückgang dürfte dabei maßgeblich auf Corona-bedingte Effekte für den studentischen Jobmarkt zurückzuführen sein. Interessant ist, dass in Ostdeutschland lediglich 3 % weniger Studierende einem Nebenjob nachgingen als noch 2019 – im Westen waren es fast 11 % weniger. Das könnte damit zusammenhängen, dass bspw. Sachsen im Sommer mit die niedrigsten Infiziertenzahlen hatte und mehr erlaubt war, wie bspw. kleinere Konzerte oder Betriebs- und Vereinsfeiern. Generell ist zu sagen: Der Sommer 2020 verlief im Vergleich zu diesem Winter noch verhältnismäßig glimpflich – Geschäfte und Bars waren geöffnet. Trotzdem sank bereits in den Sommermonaten der Anteil von Studierenden mit Nebenjob von 63,1 % auf 53,2 %. Ich fürchte, diese Zahl hat sich seitdem durch die zweite Infektionswelle und alle ihre Auswirkungen nochmals drastisch verschärft!” – Studitemps CEO Eckhard Köhn

Was die Entwicklung des studentischen Stundenlohns betrifft, konnten im Vergleichszeitraum September 2019 und September 2020 zwar weder Stagnation noch Rückgang, dafür aber ein vergleichsweise geringer Anstieg verzeichnet werden. Von 11,42 Euro (2019) auf 11,62 Euro im Jahr 2020. Allerdings ist es der geringste Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen durch die Studienreihe „Fachkraft 2030“ – In den Vor-Corona-Jahren 2012 bis 2019 lag das jährliche Wachstum des studentischen Stundenlohns in Deutschland in der Spitze bei fast 6 %.

Positiv: Der Gender Pay Gap hat sich weiter geschlossen – 2019 noch 4,5 % pro Arbeitsstunde (11,75 € vs. 11,23 €), waren es 2020 nur 1,4 % (resultierend aus dem männlichen Durchschnittslohn von 11,73 Euro und dem weiblichen von 11,57 Euro).

Studierende aus Akademiker-Haushalten im Schnitt mehr Stundenlohn als Studierende aus Nicht-Akademiker-Haushalten

„Für verschiedene Gruppen sehen wir sehr unterschiedliche Entwicklungen: Studierende aus Akademiker-Haushalten konnten ihren Nebenjob wohl eher halten (oder einen neuen finden), gleichzeitig erhalten sie im Schnitt mehr Stundenlohn im Vergleich zu Studierenden aus Nicht-Akademiker-Haushalten (11,89 € zu 11,45 €) , was vsl. daraus resultiert, dass sie häufiger fachnahen Nebenjobs nachgehen (27 % im Vergleich zu 22,6 %). Das ist erfreulich für diese Gruppe, zeigt aber auch: Der Nachwuchs profitiert maßgeblich vom Netzwerk der Eltern. Umso wichtiger ist, dass es Angebote für Studierende gibt, die nicht aus einer Akademiker-Familie kommen – zum Netzwerken, zur erfolgreichen Vermittlung von Studentenjobs und später für den Berufseinstieg.” – Studitemps CEO Eckhard Köhn

Während den Studierenden in Deutschland 2019 aus verschiedenen Quellen ein monatlicher Gesamtbetrag von durchschnittlich 847 Euro zur Verfügung stand, waren es zuletzt 859 Euro – also ein Plus von zwölf Euro. Das bedeutet, dass absolute finanzielle Einbußen auf Monatsbasis nicht festgestellt werden konnten. Im Gegenteil: Das studentische Budget ist leicht gestiegen, um etwa 1,4 %.

Was wir beobachten können ist, dass im Durchschnitt weniger Studierende Geld aus Nebenjobs oder durch Unterstützung aus dem Elternhaus bekamen. Es zeigt sich aber auch, dass diejenigen, die weiterhin einen Nebenjob, oder finanzielle Unterstützung von den Eltern hatten, im Schnitt sogar mehr Geld aus diesen Quellen bekamen als 2019. Ebenso stieg das Budget aus Darlehen / Krediten oder Ersparnissen. Der durchschnittliche monatliche Auszahlungsbetrag des BaföG stieg indessen ebenfalls an – von monatlich 471 € auf 576 €.

„Es ist ein klarer Trend erkennbar: Die Geldquellen, die Studierenden noch bleiben, werden stärker ausgereizt. Das dient der Kompensation von Einbußen an jeweils anderer Stelle – weniger Unterstützung durch Eltern muss bspw. durch mehr Arbeit ausgeglichen werden. Das sehen wir auch auf unserer Jobplattform: Wir hatten mehr Anmeldungen und die Studierenden hatten mehr Arbeitseinsätze – teilweise bis zu einer Steigerung von 57 %. Das ist aber auch notwendig, denn die durchschnittlichen Ausgaben für Hochschüler*innen sind ebenfalls angesteigen. Unter anderem haben sich die Kosten für das Studium erhöht – von monatlich 106 € auf 134 € (26,42 %). Gründe könnten höhere Ausgaben für technische Ausstattung, bessere Internetanbindung oder `Homeoffice´Ausstattung sein.” – Studitemps CEO Eckhard Köhn

Miete steigt selbst in Corona drastisch an

Die Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche stieg von 2019 auf 2020 trotz der weltweiten Pandemie für Studierende stark an – um etwa 8 % von 12,55 Euro auf exakt 13,54 Euro. Neben den Einschränkungen durch die Covid-Pandemie, wie Ausgangssperren und fehlenden Präsenzveranstaltungen, sind vermutlich auch die steigenden Mieten ein Grund dafür, dass rund jeder vierte Studierende bei den Eltern lebt (25,1 %). 2019 waren es lediglich 21,4 % – also ein Anstieg von 17 % oder 100.000 Hochschüler*innen.

„Diese Entwicklung ist auf den ersten Blick extrem ernüchternd, bedarf aber noch ein wenig Erklärung: Wir sehen einen Anstieg von 8 % der Kaltmiete pro Quadratmeter. Das müssen nicht immer Mieterhöhungen sein, sondern kann auch daraus resultieren, dass Studierende in kleinere Wohnungen ziehen mussten – im Schnitt hatten sie 2020 1 qm weniger als 2019. Die Gesamtmiete ist in kleineren Wohnungen meist günstiger, der Quadratmeterpreis allerdings höher. Allerdings ist auch die durchschnittliche Gesamtmiete in 2020 leicht gestiegen (von 311 € auf 317 €). Heißt: Die 8 % Erhöhung der Kaltmiete lässt sich zum einen auf Mieterhöhungen und zum anderen auf Umzüge in kleinere Wohnungen mit höheren Quadratmeterpreisen zurückführen. Insgesamt ist der Anstieg der Miete schlichtweg eine zusätzliche Belastung für die Studierenden, die eh schon zu kämpfen haben, und damit wenig solidarisch.” – Studitemps CEO Eckhard Köhn

Im Folgenden finden Sie alle Ergebnisse aus der Studie im Detail

Alle Grafiken aus der Studie finden Sie zur freien Verfügung hier:

https://drive.google.com/drive/folders/1RnNg_PTlb-b5U1MfBEcgUsErs8lFXEBM?usp=sharing

Bei Verwendung der Studienergebnisse bitten wir um Verlinkung zur zugehörigen Studitemps Seite:

https://studitemps.de/magazin/corona-weniger-nebenjobs-hohe-kosten-studienabbruch

 

 

 

Über die Fachkraft 2030 Studie

Die „Fachkraft 2030″ ist eine Studienreihe zur wirtschaftlichen und allgemeinen Lebenssituation von Student*innen und jungen Absolvent*innen in Deutschland. Die von Constata in Kooperation mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University durchgeführte Erhebung fand erstmals zu Beginn des Wintersemesters 2012/2013 statt. Insgesamt wurden in bisher neun Erhebungen über 200.000 Studierende aus ganz Deutschland befragt – zu wiederkehrenden und teils variierenden Themenkomplexen. Die Daten zur Studienreihe werden über Jobmensa erhoben. Hierbei handelt es sich um eine Jobplattform von Studitemps, über die sich bundesweit derzeit etwa 13.000 Student*innen im Monat neu registrieren. Studitemps veröffentlicht einmal pro Jahr die neuesten Fachkraft-2030-Ergebnisse – erhältlich in gebundener Form oder als PDF.

Über Studitemps

Das HR-Tech Unternehmen Studitemps betreibt Deutschlands größte digitale Plattform rund um Jobs für Student*innen und Absolvent*innen. Als Workforce as a Service Anbieter ermöglicht Studitemps Akademiker*innen und Unternehmen ein perfektes Matching hinsichtlich flexibler Jobs. Mit der Mischung aus persönlicher Betreuung, einer App für Studierende sowie einem gut ausgebauten Kundenportal bietet Studitemps Unternehmen und jungen Talenten größtmögliche Flexibilität, unkomplizierte Prozesse und hohe Reaktivität. Das im Jahr 2008 gegründete Unternehmen (studitemps.de) mit Hauptsitz in Köln ist an 24 Standorten bundesweit vertreten, beschäftigt intern über 300 Mitarbeiter*innen und ist monatlich Arbeitgeber für bis zu 7.500 Student*innen.

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