Frauen fühlen sich durch Studium weniger gut auf Digitalisierung vorbereitet als Männer

Brandenburger Hochschulen sind Vorreiter

5. Juni 2019 - Wer wissen will wie gut Deutschland auf das Thema Digitalisierung vorbereitet ist, fragt am besten den akademischen Nachwuchs. Sehen Studierende darin mehr Chancen oder mehr Risiken? Fühlen Sie sich durch ihr Studium gut auf die digitalen Anforderungen der Arbeit vorbereitet? Und wie sieht es mit den deutschen Unis aus ‒ sind diese digital genug? Diese Fragen hat Studitemps, Deutschlands größter Personaldienstleister für Studenten, in Zusammenarbeit mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University, rund 22.000 Studierenden und Absolventen gestellt.

Frauen weniger optimistisch mit Blick auf Digitalisierung

Studentinnen geben deutlich seltener als Studenten an, sich durch ihr Studium gut auf digitale Anforderungen im zukünftigen Beruf vorbereitet zu fühlen (Frauen: 41 %, Männer: 52 %). Sie sehen in der Digitalisierung seltener eine Verbesserung ihrer Jobchancen als Studenten (Frauen: 51 %, Männer: 64 %).

Deutliche Unterschiede nach Studienfächern:

Schlusslicht sind Studierende der Sprach- und Kulturwissenschaften (29,8 %), Rechtswissenschaften (30,1 %) sowie der Erziehungswissenschaften (33,4 %) ‒ nur rund jeder dritte Studierende dieser Fächer fühlt sich (eher) gut auf die digitalen Anforderungen im späteren Beruf vorbereitet. Studierende mit Ziel Lehramt fühlen sich nur zu 40 % (eher) gut vorbereitet. Zum Vergleich der Gesamtschnitt: Rund 45 % der Befragten fühlen sich durch ihr Studium gut auf die digitalen Anforderungen im zukünftigen Beruf vorbereitet.
Brisant: Studierende, die ein Staatsexamen als Abschluss anstreben ‒ also später zum Großteil für den Staat arbeiten werden ‒ sehen sich am schlechtesten auf die digitalen Anforderungen in ihrem späteren Beruf vorbereitet.

Brandenburg als Gewinnerland:

Studierende sind in Sachen Digitalisierung am zufriedensten mit den Hochschulen in Brandenburg (Zufriedenheit mit digitaler Infrastruktur und digitales Lehr- und Lernangebot). Auf den weiteren Rängen finden sich ebenfalls nur neue Bundesländer: Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Schlusslichter bilden: Bremen, das Saarland und Schleswig-Holstein.
Das hat auch direkte Auswirkungen darauf, wie gut vorbereitet sich Studenten auf die Digitalisierung fühlen.  47,2 % aus Brandenburg stimmen der Aussage „Ich fühle mich durch mein Studium auf die digitalen Anforderungen meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit gut vorbereitet” (eher) zu ‒ das bundesweit beste Ergebnis.

Studentinnen geben deutlich seltener als Studenten an, sich durch ihr Studium gut auf digitale Anforderungen im zukünftigen Beruf vorbereitet zu fühlen. Auch mit Blick darauf, ob die Digitalisierung die Jobchancen verbessert, sind Frauen pessimistischer: 50,9 % der Frauen sehen eine Verbesserung ‒ bei den Männern sind es 64,1 %.

„Computerspiele, LAN-Partys und Coden als Hobby waren in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit allein Männern zugeschrieben. Das kann ein Grund dafür sein, dass eine Affinität von Frauen für digitale Technik und ein Studium sowie Beruf in diesem Bereich kaum in das gesellschaftliche Bild passte. In der Folge beschäftigten sich Frauen eventuell tatsächlich weniger mit solchen Dingen - warum auch, wenn das wohl nur einem Kreis aus Männern zugänglich scheint. Solche geschlossene Gruppen werden zunehmend aufgebrochen, die Quote von Frauen in bspw. IT-Berufen steigt, aber von einem ausgeglichenen Verhältnis sind wir leider noch weit entfernt.” ‒ erklärt Eckhard Köhn, CEO von Deutschlands größtem Personaldienstleisters für Studenten, Studitemps, die Ergebnisse zu den Geschlechterunterschieden. 

Die Auswirkungen auf den Job, durch etwaig fehlende digitale Fähigkeiten, sieht Köhn  zwiegespalten: 

„Massenarbeitslosigkeit unter weiblichen Akademikern wird das bestimmt nicht auslösen, aber es könnte den Gender Pay Gap verstärken. Die Bezahlung ist in Berufen mit digitalem Anstrich zumeist höher, als in anderen Jobs. Um mehr Frauen für digitale Technik zu begeistern, sind frühe Anknüpfungspunkte ein sinnvoller Ansatz. Auch bereits in der Schulzeit, in der das Geschlecht keine Rolle bei der Fächerbelegung spielt. Während des Studiums kann es sich lohnen, sich einen Nebenjob zu suchen, der digital herausfordernd ist. Hier kann man sich dem Thema langsam annähern und Erfahrungen sammeln.”

Nach Studienfach ausgewertet zeigt sich, wenig überraschend, dass sich Studierende der Informatik (84 %), Medienwissenschaften (74 %) und Ingenieurwissenschaften (67 %) durch ihr Studium am besten vorbereitet auf die digitalen Anforderungen im zukünftigen Beruf sehen. 

„Nur rund 40 % der Studierenden mit Ziel Lehramt und lediglich 33,4 % der Studierenden der Erziehungswissenschaften stimmen (eher) zu, dass sie sich durch das Studium gut auf die digitalen Anforderungen ihres Berufs vorbereitet fühlen. Dieses Ergebnis ist fatal, wenn man sich die späteren praktischen Aspekte im Job ansieht: Die angehenden Lehrer und Erziehungswissenschaftler werden mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die zu einem großen Teil in der digitalen Welt unterwegs sind. Wie wollen sie ihnen hier auf Augenhöhe begegnen? Der DigitalPakt von Bund und Ländern läuft ins Leere, wenn selbst junge Lehrer nicht auf die digitalen Anforderungen vorbereitet sind. Da hilft auch kein schnelleres WLAN und digitale Whiteboards.” ‒ kommentiert Eckhard Köhn die Ergebnisse. 

Ergebnis Studierende mit Ziel Lehramt: „Ich fühle mich durch mein Studium auf die digitalen Anforderungen meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit gut vorbereitet.“

„Ein Staatsexamen wird in den Studiengängen abgelegt, in denen der Staat später voraussichtlich der Hauptarbeitgeber sein wird. Es ist also umso erschreckender, dass sich genau aus dieser Gruppe der Studierenden besonders wenige durch ihr Studium auf die Digitalisierung vorbereitet fühlen. Hier gilt es auch mit Blick auf die Digitalisierung der Verwaltung, Akten, Prozesse unbedingt und dringend nachzubessern. Stichwort: Digital Government ‒ ein Bereich in dem wir Welten hinter Ländern wie bspw. Estland liegen.” ‒ ordnet Studitemps CEO Eckhard Köhn die Zahlen ein.

Beurteilung der digitalen Infrastruktur der jeweiligen Hochschule - „eher gut”: 

  • 1. Brandenburg 88,2 %

  • 2. Sachsen 82,3 %

  • 3. Thüringen 79,8 %

  • 4. Mecklenburg-Vorpommern 79,0 %

  • 13. Hamburg 72,1 %

  • 14. Bremen 71,0 %

  • 15. Saarland 70,5 %

  • 16 Schleswig-Holstein 67,3 %

Brandenburg in mehreren Kategorien auf Platz 1 ‒ neue Bundesländer insgesamt auf Spitzenplätzen:

„Rund drei Viertel der Studierenden schätzen die digitale Infrastruktur an den Hochschulen in Deutschland positiv ein. Lediglich 20 % sehen sie als (eher) schlecht. Das ist ein ordentliches Ergebnis. Auffallend bei dieser Frage ist: Die obersten vier Plätze belegen neue Bundesländer: Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.  Gerade Brandenburg scheint einiges richtig zu machen. Hier stimmt die Ausstattung, das Online Angebot der Hochschulen und die Vorlesungsinhalte. Die Studierenden aus Brandenburg fühlen sich durch ihr Studium auch bundesweit am besten auf die Digitalisierung vorbereitet. Ein absolutes Vorzeigebeispiel für andere Bundesländer.” ‒ verortet Eckhard Köhn die Zahlen. 

Die Hochschulen in den neuen Bundesländern sind für Studienanfänger sehr beliebt. Das zeigte sich auch in der vorhergegangenen Studitemps Studie, die belegte, dass vor allem die Hochschulen in Sachsen und Sachsen-Anhalt sehr viele junge Studierende anziehen. 

„Gut ausgestattete Unis und ein modernes Lernangebot sind ein Ansatz, um Studierende anzuziehen. Ein sehr großer Teil verlässt den Osten nur leider nach dem Studienabschluss wieder. Um frisch gebackene Uni-Abgänger auch am Studienstandort zu halten, braucht es Weitsicht. Frühe Bindung der Studierenden an eine Region kann hier helfen. Das klappt durch attraktive und studiennahe Studentenjobs, die bereits Aufstiegschancen bieten, und durch frühzeitige Übernahmeangebote für zukünftige Absolventen. Dafür ist Studitemps ein starker Ansprechpartner.” - Eckhard Köhn zur guten digitalen Infrastruktur in den neuen Bundesländern.

„Zwei Dinge sind an den Hochschulen bereits sehr digital: Es wird online diskutiert und es werden Informationen wie Skripte und aufgenommene Vorlesungen übers Netz ausgetauscht - alles organisiert von den Hochschulen selbst. Die Informationstechnik steht also. Bei Webinaren, also interaktiven Online-Learning Formaten, und auch bei Lehrveranstaltungen, die nur digital stattfinden, herrscht allerdings noch Zurückhaltung. Gerade digitale Inhalte und weniger Präsenzveranstaltungen würden es Studenten aber ermöglichen, Studium und Arbeit besser miteinander zu kombinieren und so wertvolle Praxiserfahrungen in fachnahen Studentenjobs zu sammeln.” - sagt Studitemps CEO Eckhard Köhn zu den digitalen Lehr- und Lernangeboten an deutschen Hochschulen.

Folgende Statements / Fragen haben die Studienteilnehmer im Rahmen der Sonderauswertung zur Digitalisierung bewertet / beantwortet:

  1. „Die Digitalisierung verbessert meine Jobchancen.“ 

  2. „Ich fühle mich durch mein Studium auf die digitalen Anforderungen meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit gut vorbereitet.“ 

  3. Beurteilung der digitalen Infrastruktur der Hochschule - nach “Gut”, “Eher gut”, “Eher schlecht”, “Schlecht”. 

  4. „Welche der folgenden Aspekte gehören zur digitalen Infrastruktur Ihrer Hochschule?“    

  5. Beurteilung des digitalen Lehr- und Lernangebotes der Hochschule  - nach “Gut”, “Eher gut”, “Eher schlecht”, “Schlecht”. 

  6. Bietet Ihre Hochschule eines oder mehrere der folgenden digitalen Lehr- und Lernangebote?“

Weiterführende Informationen

Die Ergebnisse zu den einzelnen Fragen, jeweils ausgewertet nach Studienfach, (teilweise) Abschluss und Bundesland finden Sie im zugehörigen White Paper sowie im dazugehörigen Blogbeitrag