Zukunftsbranche Automobilbau: es läuft – und läuft – und läuft

Der zweite Teil unserer Artikelserie „Studentische Zielbranchen“ beschäftigt sich mit dem Automobilbereich – der laut Studienreihe „Fachkraft 2020“ zweitbeliebtesten Berufsbranche angehender Absolventen in Deutschland (hinter dem Medien- und Verlagswesen). Zunächst gut zu wissen, dass das Interesse junger Menschen an dieser Schlüsselindustrie ungebrochen hoch ist. Doch: Welche Marken machen innerhalb der Branche das Rennen?

In Deutschland gibt es derzeit lediglich zwei Branchen, für die sich angehende Absolventen aller Fachrichtungen – im prozentualen Sinne – zweistellig interessieren. Das Schöne dabei aus Sicht des Managements im Automobilbau: Man gehört mit einem Anteil von fast 12 Prozent recht locker dazu – und muss sich lediglich beim Medien- und Verlagswesen mit der Heckansicht begnügen (17,1 %).

Möglich wurde dieses Votum durch rund 20.000 Studierende, die im März 2015 an der 6. bundesweiten Erhebung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ teilgenommen haben. Die Befragungen werden seit 2012 zweimal pro Jahr in wissenschaftlicher Kooperation zwischen Studitemps und dem Department of Labour Economics der Maastricht University durchgeführt.

Die Top-5-Arbeitgeber im Automobilbereich

In regionaler Hinsicht konzentriert sich ein Großteil des studentischen Interesses am Automobilbau auf Süddeutschland. Genauer gesagt auf Bayern und Baden-Württemberg, wo vier der fünf beliebtesten Marken ihren Hauptsitz haben.

Die Rangfolge im Detail: In Führung liegt der in München ansässige Konzern BMW, den über 26 Prozent aller Automobilbau-Interessenten als Wunscharbeitgeber benannt haben, gefolgt von Audi (24,1 %) und Mercedes-Benz (18,4 %). Einziges „Nordlicht“ im Topsegment ist mit 12,5 Prozent der Volkswagen-Konzern aus Wolfsburg. Rang 5 geht mit fast 12 Prozent an Porsche.

Beliebteste Arbeitgeber im Automobilbau

Platz Unternehmen     Wunscharbeitgeber für…* Hauptsitz Markenkern
1. BMW 26,1 % München Automobilbau
2. Audi 24,1 % Ingolstadt Automobilbau
3. Mercedes-Benz 18,4 % Stuttgart Automobilbau
4. Volkswagen 12,5 % Wolfsburg Automobilbau
5. Porsche 11,9 % Stuttgart Automobilbau
* = Anteil aller Branchen-Interessenten

Exkurs: Bereich Zulieferindustrie Automobilbau

Platz Unternehmen     Wunscharbeitgeber für…* Hauptsitz Markenkern
1. Bosch 34,2 % Gerlingen Technik
2. Continental 20,5 % Hannover Reifen, Technik
3. ZF Friedrichshafen 8,4 % Friedrichshafen Technik
4. Brose 5,5 % Coburg Technik
5. Schaeffler 4,8 % Herzogenaurach Technik
* = Anteil aller Branchen-Interessenten
© Studitemps GmbH/Maastricht University

Branchenvergleich Automobilbau: Starkes Image, hohe Gehaltserwartungen

Die Frage nach dem Gehalt scheint für Studierende, die sich beruflich für den Automobilbereich interessieren, von vergleichsweise hoher Relevanz zu sein. Zu Buche steht ein durchschnittlicher Wunsch-Einstiegslohn von über 45.100 Euro brutto pro Jahr, was im Ranking der analysierten Branchen Platz 4 bedeutet. Zum Vergleich: Die Differenz zum Schlusslicht Messewesen (31.462 €)  liegt bei rund 43 Prozent, wohingegen der Abstand zur Spitze (Wirtschafts-/Steuerprüfung = 46.859 €) mit knapp 4 Prozent erwartungsgemäß gering ausfällt.

Zudem kann festgehalten werden, dass betreffende Studierende ihre Chancen auf einen reibungs- bzw. lückenlosen Berufseinstieg in den Automobilbau als überdurchschnittlich hoch ansehen. So teilen lediglich 24 Prozent die Sorge vor anfänglicher Arbeitslosigkeit, was im Branchenranking Platz 3 gleichkommt. Diesbezüglich ist der geringste Pessimismus im Maschinen- und Anlagenbau anzutreffen (21 %), der größte hingegen mit 44 Prozent im Medien- und Verlagswesen.

Auch gehen Automobilbau-Interessenten (für die Zeit nach dem Jobeinstieg) von einer insgesamt sehr hohen beruflichen Zufriedenheit aus. Die in dieser Kategorie erreichten 7,48 von maximal 10 Punkten bedeuten abermals Platz 3 im Branchenranking. Dass es jedoch auch innerhalb der Top-5-Arbeitgeber des Automobilbaus in einigen dieser Kategorien zu erheblichen Abweichungen kommt, verdeutlicht die nachfolgende Tabelle.

Detailanalyse der beliebtesten Arbeitgeber im Automobilbau

Platz Unternehmen     Wunschgehalt (brutto p.a.)
Branchenerfahrung (durch Job im Studium)
Bachelor-Anteil  (Berufseinstieg) Sorge vor Joblosigkeit (nach dem Abschluss)
Berufliche Zufriedenheit (antizipiert/Skala 0 bis 10)
1. BMW 43.349 €   ↑* 24 %   9 %    24 %  7,31  
2. Audi 46.528 €   22 %   12 %   24 %  7,27  
3. Mercedes-Benz 47.652 €   24 %   8 %    24 %  7,83  
4. Volkswagen 41.775 €   19 %  
12 %   30 %  7,50  
5. Porsche 47.745 €   21 %   10 %   19 %  7,49  
* Die Pfeilsymbole in der Tabelle verdeutlichen wie gut, mittel oder schlecht das jeweilige Unternehmen in der betreffenden Kategorie aufgestellt ist.
© Studitemps GmbH/Maastricht University

Vor allem Ingenieurwissenschaftler zieht es in den Automobilbau

Zunächst sind es Ingenieurwissenschaftler, die sich beruflich für den Automobilbau interessieren. Es folgen Studierende der Wirtschaftswissenschaften und aus dem Bereich der Informatik. Doch wie blicken die jüngsten aller Absolventen auf den Automobilbereich? Angehende Bachelors also? Verhalten, lautet erwartungsgemäß die Antwort, da sich lediglich 10 Prozent der Interessenten bereits nach dem Bachelor bei einer Automarke bewerben wollen. Das Gros strebt demnach eine höhere akademische Qualifizierung an, um im Automobilbau erfolgreich Fuß fassen zu können.

Fazit von Studitemps: Die Automobil-Branche ist bei Studierenden extrem beliebt, was hohe Zustimmungswerte im Bereich der antizipierten Jobzufriedenheit und die wenig ausgeprägt Sorge vor Arbeitslosigkeit exemplarisch verkörpern. Dass der Notendurchschnitt der Interessenten eher schwächelt, dürfte in erster Linie auf die hohe Komplexität von Zielstudiengängen wie Ingenieurwissenschaft oder Informatik zurückzuführen sein – sicherlich unproblematisch. Aber: Nur 22 Prozent der Befragten, die es beruflich in den Automobilbau zieht, können bereits im Studium auf fachbezogene Joberfahrung verweisen. Sicherlich ein Wert, der Luft nach oben erkennen lässt. Denn berufliche Orientierung – so ein weiterer zentraler Befund der Studienreihe „Fachkraft 2020“ – fängt idealerweise bereits im Studium an.

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