New Work, Agilität, Generation Y & Z, flexible Arbeitszeiten oder Mobile Office?

Sie haben alles schon tausendmal gehört, aber trotzdem das Gefühl nicht mehr durchzublicken im Buzzword-Dschungel? Um die Wortlianen zu lichten und das ein oder andere Fragezeichen aus dem Weg zu räumen, sind wir Anfang September mit unserer Eventreihe Network Night gestartet. Mit der Headline „Morgens Vorlesung, nachmittags Traumjob”, beschäftigte sich jüngst der Vortrag von Dr. Philipp Seegers und Eckhard Köhn. Durch ihre Expertise versuchen sie vor allem die Frage zu beantworten, was die Studenten von heute von ihren Arbeitgebern von morgen erwarten.

Studienreihe Fachkraft 2030 ‒ wir kennen den Markt

Eckhard Köhns Alltagsgeschäft als CEO von Studitemps wird durch den studentischen Kosmos bestimmt. Philipp Seegers ist als „Education Economist“ an der Maastricht University beschäftigt und fungiert als Verantwortlicher der Studienreihe Fachkraft 2030. Gemeinsam arbeiten sie daran, die wirtschaftliche und allgemeine Lebenssituation von Studenten und jungen Absolventen in Deutschland zu ergründen. Seit 2012 führen wir als Personaldienstleister, der sich auf die Überlassung von Studenten und Vermittlung von Absolventen und Young Professionals spezialisiert hat, zusammen mit der Maastricht University die Erhebungen zur Studie durch. Jeweils zweimal pro Jahr finden diesbezüglich Befragungen statt. Die Ergebnisse sind für Unternehmen vielversprechende Insights, die sich letztlich im Rekrutierungsprozess als hilfreich erweisen können.

(Work-Life-Balance: E. Köhn und P. Seegers zur Alltagssituation von Studierenden)

Mit insgesamt 300.000 Teilnehmern wurden in bereits 14 Runden Daten erhoben. Fundierte Erkenntnisse werden dabei mithilfe einer repräsentativen Online-Befragung, an welcher Studierende von allen deutschen Hochschulen teilnehmen, evaluiert. So konnten wir zum Beispiel feststellen, dass die Studierenden im Durchschnitt 23 Jahre alt sind (mit einigen Ausreißern nach oben), sechs Jahre an einer Hochschule verbringen und inzwischen eine Durchschnitts-Note von 2,3 erzielen.

Doch welche Key Facts sind für Unternehmen relevant, die sich dazu entscheiden, mit Studenten und/oder Absolventen zusammenzuarbeiten?

Durch unsere jüngste Studie konnten wir herausfinden, dass Studierende in Hamburg in ihren Nebenjobs durchschnittlich 11,86 Euro pro Stunde verdienen ‒ während der aktuelle Mindestlohn bei 9,19 Euro liegt. Aber auch Fragen wie „Wer studiert was und wo?”, „Bachelor vs. Master” sowie „welches Fachgebiet?” und „Wer arbeitet häufiger: Frauen vs. Männer?” sind signifikante Parameter, die in den Erhebungen abgesteckt werden.

In Deutschland studieren 2,9 Millionen junge Talente ‒ davon sind ⅔ während des Studiums bereit zu arbeiten. Als motivierte, lernwillige und flexible Arbeitskräfte helfen Studenten nicht nur das Geschäft voranzutreiben, vielmehr erhalten Unternehmen die Chance junge Talente früh an sich zu binden.

Warum also warten?

Vor allem das Personalmanagement vieler Firmen steht vor der Herausforderung geeignete Fachkräfte zu finden; herausfordernd bspw. als Mittelständler ohne Endkonsumentenmarke. Ein Weg kann dahingehend die frühe (Ein-)Bindung entsprechender Potentials darstellen. Warum also erst darauf warten bis der geformte Absolvent auf der Bildfläche erscheint und um ihn oder sie konkurrieren? Viele Studierende haben bereits während ihres Studiums ein großes Interesse an Nebenjobs mit Fachbezug, darunter fallen natürlich auch Studenten der sogenannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, (Elektro-)Technik oder Naturwissenschaften.

Für Unternehmen ist das eine Chance, passende Fachkräfte frühzeitig zu binden. Eine Win-win-Situation, denn während junge Talente auf der einen Seite vom Fachbezug ihrer Tätigkeit zum Studium sowie der Möglichkeit auf Übernahme nach dem Abschluss profitieren, haben Arbeitgeber mit langfristigem Horizont schon früh Kontakt zu qualifizierten Mitarbeitern, bei denen eine spätere kosten- und zeitspielige Einarbeitung entfällt. Unternehmen sollten hier allerdings frühzeitig auf die Studierenden zugehen, Perspektivgespräche mit ihnen führen und mögliche Einstiegschancen in Vollzeit aufzeigen. Denn der Markt hat sich wieder einmal gedreht.

Arbeiten während des Semesters oder lieber in der vorlesungsfreien Zeit?

Im Semester präferieren Studierende am Nachmittag oder am Wochenende zu arbeiten. Während in diesem Zeitraum „nur” gut ein Drittel die Zeit für einen Nebenjob vormittags einrichten kann, sind es in der vorlesungsfreien Zeit rund 80 %. Ein Vorteil, welcher sich Unternehmen bietet, ist dass ein Job von gleich mehreren Studenten bekleidet werden kann, diese sich jedoch ihre Zeiten via Schichtplanung einteilen. Eine Flexibilität von der letztlich beide profitieren. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass während des Semesters 12 die bevorzugte Arbeitsstundenzahl in der Woche ist. Potenzial bietet daher vor allem die vorlesungsfreie Zeit: 55 % der Studierenden möchten in diesem Zeitraum mehr arbeiten. Die sogenannten „Semesterferien” Anfang des Jahres und im Sommer bieten also ideale Arbeitsmöglichkeiten.

Doch was sind die Faktoren, die aus studentischer Sicht eine Vakanz attraktiv gestalten?

Als wichtigstes studentisches Kriterium hinsichtlich der Wahl einer Nebentätigkeit äußerte sich dabei die flexible Arbeitszeit, gefolgt von einem hohen Gehalt, dem kurzen Anfahrtsweg, dem abwechslungsreichen Tätigkeitsprofil, der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt und der verantwortungsvollen Tätigkeit (vgl. Studitemps • „Fachkraft 2030“ Sonderauswertung: Studium und Nebenerwerbstätigkeit • Seite 4/18).

Vor allem Letzteres scheint für viele Studierende ein nicht minder wichtiger Faktor zu sein. Hinsichtlich der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, sind es immerhin 43 % der Studierenden, die sich bereits in einem fachnahen Nebenjob befinden und 39 %, die jenes zumindest anstreben. 65 % der Befragten können sich einen Berufseinstieg bei ihrem jetzigen Arbeitgeber vorstellen. Potenzial in Sachen frühzeitige Bindung von Fachkräften besteht also zur Genüge, ein Perspektivgespräch seitens der Unternehmen kann dabei jedoch nicht ausbleiben.

Perspektivwechsel – ein Blick zurück

Um als Arbeitgeber in den studentischen Fokus zu rücken, ist es notwendig, die damit einhergehende Lebenswelt zu betreten. In Zeiten der Digitalisierung bedeutet das nicht nur, eine effiziente Rekrutierung auf digitaler Ebene anzugehen, sondern insbesondere zu reflektieren. Wie war, falls zutreffend, die eigene Studienzeit? Welche Faktoren spielten hinsichtlich des Nebenjobs eine Rolle? War das Gehalt oder doch die Gelegenheit, im bevorzugten Bereich tätig zu sein, ausschlaggebend? Wieso sollte man jungen Talenten nicht bereits während des Studiums die Möglichkeit bieten, berufliche Erfahrungen zu sammeln und Verantwortung zu übernehmen? Und nicht zuletzt: Wie rasch soll die Zusage zum „Traum-Nebenjob” erfolgen?

Was erwarten Studenten von heute von ihren Arbeitgebern von morgen?

Durch unsere Eventreihe Network Night versuchen wir eben dieser Frage auf den Grund zu gehen. Wir haben Ihr Interesse geweckt? Gerne laden wir Sie herzlich ein in entspannter Atmosphäre zu netzwerken, neue wie auch bekannte Gesichter zu treffen und sich als besonderes Highlight von unserem Experten Talk inspirieren zu lassen. Wann und wo das nächste Event stattfindet, erfahren Sie hier