Neues aus dem studentischen Leben: Spaßbremse Wohnungsmarkt

Immer zu Semesterbeginn machen kuriose Begebenheiten die Runde. Beispiel: Wohnungsmarkt. Wohnraum ist bekanntermaßen knapp, gerade in den großen Städten und deren Zentren. Aus diesem Grund ist mitunter Erfindergeist gefragt, um kurz vor knapp eintrudelnde Studenten noch irgendwie menschenwürdig unterzubringen.

Man erinnere sich nur an Ex-Bauminister Peter Ramsauer von der CSU, der 2012 kurzerhand leerstehende Kasernen in studentischen Wohnraum umfunktionieren wollte. Oder, noch ganz frisch, ein Container-Dorf in München, das Suchenden zuletzt für 350 Euro warm bzw. satte 40 Euro den Quadratmeter Obdach versprach. Noch Fragen? Nein, man kann wahrlich nicht behaupten, dass Studenten am Wohnungsmarkt derzeit einen guten Stand hätten. Gerade dort, wo man noch kurz vor Semesterstart in einen Studiengang reinrutscht, wo also aus Zeitgründen alles ganz schnell und eigentlich unkompliziert laufen müsste, wird es zuweilen skurril – und in den meisten Fällen teuer.

Dass für Studenten aber auch der Regelfall – sprich: das mit viel Suchaufwand und Wartezeit ergatterte WG-Zimmer – frei von jeglichem Preisrabatt ist, zeigt eine aktuelle Analyse unserer Studienreihe „Fachkraft 2030“ zur studentischen Wohnsituation in Deutschland. Wie immer durchgeführt in Kooperation mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University. Hier die wichtigsten Punkte der Untersuchung:

1 Städteranking

Erstellt wurde unter anderem ein Preisranking von über 30 Hochschulstandorten in Deutschland, basierend auf Mieten, die von den knapp 18.000 Befragten im Sommersemester 2017 real gezahlt wurden. Im Ergebnis zeigt sich erwartungsgemäß, dass überwiegend große und gleichsam begehrte Städte mit Blick auf das Mietniveau ganz weit vorne liegen. Platz 1 geht mit einer durchschnittlichen (!!!) Warmmiete von 19,12 Euro pro Quadratmeter an München. Es folgen Karlsruhe mit 18,85 Euro, Hamburg mit 17,50 Euro und Frankfurt am Main mit 17,40 Euro.

Es ist ein Preisrahmen, der gelinde gesagt aufhorchen lässt, zumal es auch die nachfolgenden Städte in sich haben (s. Abbildung). Erst ab Platz 28, also der Stadt Kiel, fällt die durchschnittliche Warmmiete für Studenten auf ein Niveau unterhalb von 12 Euro warm, weniger als 10 Euro waren es nirgendwo. Insgesamt am günstigsten schnitt im Rahmen der vorliegenden Analyse Halle an der Saale ab, mit 10,40 Euro pro Quadratmeter etwa 50 Prozent günstiger als München.

2 Länderranking und studentischer Mietbelastungs-Index

Da zentrale Bildungsfragen zumeist auf Länderebene entschieden werden, lag auch hier ein Fokus der Analyse. Erwartungsgemäß erwies sich das Mietniveau des Stadtstaates Hamburg mit 17,35 Euro pro Quadratmeter (warm) als am höchsten, gefolgt von Baden-Württemberg (16,95 Euro) und Bayern mit 16,05 Euro. Deutlich günstiger ist das Preisniveau hingegen auf den letzten drei Plätzen, wo sich mit Mecklenburg-Vorpommern (12,04 Euro), Sachsen (11,69 Euro) und Thüringen (11,35 Euro) allesamt Länder aus Ostdeutschland wiederfinden. Für die Statistik: Der Unterschied zwischen Hamburg und letztplatziertem Thüringen liegt bei exakt 6 Euro pro Quadratmeter, womit das Mietpreisniveau der Hansestadt satte 53 Prozent höher ist.

Der eigens für den studentischen Wohnungsmarkt berechnete Mietbelastungs-Index zeigt an, wie viel Studenten pro Monat theoretisch arbeiten müssen, um sich die eigene Miete leisten zu können. Beispiel Hamburg: Die Hansestadt belegt mit Abstand Platz 1, da Studenten hier pro Monat 42 Stunden jobben gehen müssten, um für durchschnittlich 460 Euro Warmmiete aufzukommen. Zum Vergleich: Bereits 3,5 Stunden weniger sind es im zweitplatzierten Berlin. Dass aus zeitlichen Gründen vieles für einen Studienplatz im Südosten Deutschlands spräche, beweist Sachsen. Der Freistaat belegt mit gerade einmal 31,1 Stunden Platz 16 des Rankings. Bedeutet: Hier haben Studenten pro Monat fast anderthalb Arbeitstage weniger zu leisten, um für die Miete aufzukommen. Eine ordentliche Portion Freizeit!

3 Studentische Wohnformen

Wer wohnt wie – und wo? Auch diesen Fragen wurde natürlich nachgegangen, und es zeigt sich, dass die Wohnform „Bei Eltern/Verwandten“ bei Studenten mit anteilig 29 Prozent vorne liegt. Gefolgt von der „Eigenen Wohnung“ (27,4 %) und hauchdünn dahinter der „Wohngemeinschaft“, die für immerhin 27,3 Prozent der Befragten den Lebensmittelpunkt darstellt. Am wenigsten Relevanz hat die „Untermiete“, wenngleich den Studenten hier im Durchschnitt der größte Wohnraum zur Verfügung steht – stattliche 39 Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Studentenwohnheim ist es mit 20 Quadratmetern nur knapp die Hälfte.

Studitemps Fazit: Finanziell kommt es für viele Studenten in Deutschland knüppeldick, wenn es ums Thema Wohnraum geht. Während mancherorts für die Warmmiete absurde Quadratmeterpreise von durchschnittlich fast 20 Euro aufgerufen werden, liegt man selbst in den günstigsten Standorten bereits deutlich jenseits der 10-Euro-Marke. Sicherlich, das Preisgefälle ist da, aber auf insgesamt hohem Niveau. Welche zeitlichen und finanziellen Auswirkungen das hat, zeigt der vorliegende Mietbelastungs-Index. So müssen Studenten in Hamburg – als Extrembeispiel – mehr als eine Vollzeitwoche pro Monat arbeiten gehen, um sich das Dach über dem Kopf leisten zu können. Dieser Berechnung folgend, ist für Brot und Suppe erst ab Woche 2 gesorgt. Und das aktive Studium ist da noch nicht mit eingerechnet. 

Kurzum: Die Situation am Wohnungsmarkt ist für Studenten alles andere als einfach. Erst recht, wo Eltern als private Geldgeber ausfallen oder sonstige Zusatzeinnahmen fehlen. Viel ist seit Jahren die Rede von steigendem Druck, ja von Überbelastung im Studium. Studitemps entstandt 2008 von Studenten für Studenten und so versuchen wir seither unser Credo fortzuführen. Unsere Plattform jobmensa.de ist heute Deutschlands größte Jobbörse für Studenten. Mit unserem flexiblen Konzept ermöglichen wir es den Studenten, Uni, Arbeit und Freizeit in Einklang zu bringen, so dass sie ihr Studium sorgenfrei finanzieren können. Dabei verlieren wir unsere Priorität, einen Beitrag zur Fairness auf dem akademischen Jobmarkt zu leisten, nie aus den Augen!