Klimawandel: auch Studenten demonstrieren

Klimawandel: Lassen Studenten auf Sorgen Taten folgen?

Der Klimawandel beunruhigt einen Großteil der Studierenden. Aber zieht diese Besorgnis auch Veränderungen im eigenen Verhalten und persönlichen Verzicht nach sich? Wir sind dieser Frage in Zusammenarbeit mit der Maastricht University im Rahmen der Fachkraft 2030 nachgegangen. 

Köln, 02. September 2020.  Das laufende Jahr steht ganz klar im Zeichen von Corona, mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Lebensrealität von Schülern und Studenten. 2019 gestaltete sich dies noch vollkommen anders: Der Klimawandel war bestimmendes Thema, Hunderttausende auf den Straße, die Medienpräsenz überwältigend. Aber auch wenn die Coronakrise vom Klimawandel ablenkt, macht sie ihn nicht ungeschehen. Wir haben 14.500 Studierende zu diesem unverändert hoch relevanten Thema befragt; ihre Antworten überraschen durchaus. 

Klimawandel: Angst vor der Zukunft ist weit verbreitet

Die Relevanz wird dadurch unterstrichen, dass nach anfänglichen Vermutungen zu den positiven Auswirkungen von Corona” auf das Klima nun von anderer Seite ein Verpuffen des Effekts vermutet wird. Unabhängig davon treibt der Klimawandel in Summe 90 Prozent der Studenten um. Unterschiede treten zwischen Frauen und Männern sowie einzelnen Fachbereichen zutage. Sind bei den männlichen Befragten bereits 85 Prozent wegen des Klimawandels besorgt, liegt der Anteil bei den weiblichen sogar bei 93 Prozent. Hier offenbart sich eine Parallele zu einer Studie der TU Chemnitz, derzufolge Frauen und Mädchen bei Fridays for Future (FFF) die Mehrheit stellen. Geschlechterübergreifend sind Angehörige des Fachbereichs Kunst/Musik zu mehr als 95 Prozent besorgt, während Informatiker zu „nur” 84,5 Prozent von Zukunftsängsten geplagt sind. 

„Das Thema Klimaschutz wird in erheblichem Maße von negativer Emotionalität begleitet bzw. durch sie beeinflusst. Entsprechend brachten über 90 Prozent der Befragten ihre Besorgnis zum Ausdruck, was die derzeitige Klimaentwicklung betrifft.“ Eckhard Köhn, CEO Studitemps.

Ein Diagramm, das zeigt, wer wegen des Klimawandels besorgt ist.
Klimawandel: Die Besorgnis ist bei beiden Geschlechtern groß.

Protest? Lediglich eine Minderheit bekennt sich aktiv

Die Besorgnis ist demnach allgemein groß, woraus sich der Wunsch nach positiver Veränderung und Einflussnahme ableiten lässt. Insofern ist es schon eine kleine Überraschung, dass der aktive Protest gegen den Klimawandel nur für eine Minderheit hohen Stellenwert besitzt. Lediglich 34 Prozent der Befragten bekennen sich zu Protestaktionen, mit marginalen Unterschieden (etwas über vier Prozent) zwischen den Geschlechtern. Fachbezogen existieren jedoch deutliche Abweichungen: Sportwissenschaftler (23 Prozent) und Wirtschaftswissenschaftler (23,3 Prozent) bekennen sich tendenziell weniger zum aktiven Klimaprotest als Studierende der Erziehungswissenschaften (39,5 Prozent) und Kunst/Musik (43,6 Prozent).

Übersicht: in Diagrammform: Wer bekennt sich zum Klimaprotest?
Aktives Bekenntnis zum Klimaprotest: (Eher) nein.

Flugscham: tatsächlich nicht besonders ausgeprägt 

Darstellung eines Flugzeugs als CO2-Emittent
Verkehrsmittel Flugzeug: in der CO2-Rangliste ganz weit oben.

Das Flugzeug in seiner jetzigen Form verursacht deutlich höhere Emissionen als andere Verkehrsmittel. Dennoch möchten ungeachtet aller Klimaängste sowohl weibliche als auch männliche Studierende kaum am Boden bleiben. Gerade einmal 41 Prozent der Befragten geben an, dass sie auf Flugreisen verzichten würden, um das Klima zu schützen. Wirtschaftswissenschaftler sind mit 29 Prozent am Wenigsten zu Einschränkungen bereit; im Fachbereich Kunst/Musik stellen die Nichtflieger immerhin 52,5 Prozent. Noch klarer wird das Bild bei Betrachtung der uneingeschränkten Antwortoption „Ja”: Hier landet der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften mit 7,8 Prozent als einziger deutlich im einstelligen Bereich. Relativiert wird dieses Ergebnis höchstens dadurch, dass Studierende besonders günstig fliegen können und viele Wunschdestiationen für Auslandsaufenthalte kaum anderweitig erreichbar sind.

Dieses Diagramm zeigt, wer auf Flugreisen verzichten würde.
Nur wenige Studierende möchten auf Flugreisen verzichten.

Regionale Produkte – global betrachtet eher ein „Jein”

Ein Bild, das regional erzeugte Lebensmittel zeigt.
Regionale Produkte: gut fürs Klima, aber oft auch teurer.

Der Griff zu regionalen Produkten ist ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes beim Essen und Einkaufen. Somit achten auch annähernd 74 Prozent der Befragten beim Kauf von Lebensmitteln auf eine regionale Herkunft. Eine klare Tendenz also? Mitnichten, denn sowohl geschlechtsspezifisch als auch fachbezogen entpuppen sich deutliche Unterschiede. 79 Prozent der Frauen steht ein Anteil von lediglich 66 Prozent aufseiten der Männer gegenüber. Und während fast 87 Prozent der Kunst- und Musikstudenten (m/w) bei Einkauf auf regionale Herkunft achten, ist dies dem Fachbereich Informatik (66 Prozent) bedeutend weniger wichtig.

Diagramm, das zeigt, wer regionale Produkte kauft, um den Klimawandel zu verlangsamen.
Im Überblick: Wer achtet beim Einkauf auf die regionale Herkunft der Produkte?

Konsumverzicht? Zwei Drittel der Befragten stimmen zu

Was den Konsum im Allgemeinen anbetrifft, sind insgesamt 63 Prozent der Teilnehmer für den Klimaschutz zum Verzicht gewillt. Auch hier sind Frauen (67,4 Prozent Zustimmung) eher bereit als Männer (55,9 Prozent). Von Verzichtsapellen gänzlich ungerührt sind nur 12,2 Prozent der Befragten.

„Auch wenn es nicht alle Besorgten sind, zeigt sich, dass die Mehrheit der Studierenden in Deutschland einen Teil ihres Lebens- und Konsumverhaltens bereits eng mit dem Aspekt Klimaschutz zu verknüpfen scheint“ so die Einordnung von Eckhard Köhn.

Konsumverzicht im Überblick anhand eines Diagrams.
Wer würde auf Konsum verzichten, um den Klimawandel zu verlangsamen?

Durch Fleischverzicht den Klimawandel stoppen – nur bedingt

Bild einer vegetarischen Bowl
Go Veggie? Nicht für jede(n) eine Option.

Abseits ethischer Überlegungen in Bezug auf das Tierwohl ist hinlänglich bekannt, dass die Fleischindustrie und der Konsum entsprechender Produkte den Klimawandel befeuern. Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, ist der Kauf regionaler (Bio-)Produkte, eine andere die Reduzierung oder gänzliche Abkehr vom Fleischverzehr. Dennoch essen in der Summe nur 60 Prozent der Teilnehmer klimaschutzbedingt weniger oder gar kein Fleisch. Auf weiblicher Seite sind es immerhin 70 Prozent, während ihre männlichen Kommilitonen mit 45 Prozent weniger zu Verhaltensänderungen bereit sind.

Diagramm, das zeigt, wer auf Fleisch verzichten würde, um den Klimawandel positiv zu beeinflussen.
Besonders Männer möchten nicht auf Fleisch verzichten.

Klimawandel: Setzen angehende Ingenieure auf grüne Mobilität?

Konstruktion eines Elektroautos
Das Elektroauto: Ihm kommt eine Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel zu.

Die Entwicklung klimafreundlicher Antriebstechnologien und grüner Mobilität ist wichtig, um den CO2-Ausstoß zu vermindern. Und immerhin befinden 81 Prozent der Befragten, dass dieser Prozess zu langsam vonstatten gehe. Ist also in Zeiten, in denen die Bundesregierung Elektroautos verstärkt fördert und deutsche Hersteller beim E-Anteil überdurchschnittlich zugelegt haben, das entsprechende Mindset auch in den Köpfen der zukünftigen Autobauer verankert? Erstaunlicherweise nicht, denn  ausgerechnet im Fachbereich Ingenieurwissenschaften sehen nur 74,3 Prozent Anlass zur Beschleunigung. Studierende aus Kunst und Musik befürworten die schnellere Entwicklung klimafreundlicher Antriebe hingegen zu 93 Prozent.

Diagramm, dass die Antworten auf die Frage zeigt, ob die Entwicklung Grüner Mobilität gegen den Klimawandel zu langsam geschieht.
Grüne Mobilität: Vielen geht die Entwicklung zu langsam voran.

Studitemps Fazit

Der Klimawandel und der Umgang damit ist nach wie vor präsent, auch in den Köpfen der Studierenden. Für Unternehmen ist es demnach unverändert wichtig, Themen wie Nachhaltigkeit nicht nur zu propagieren, sondern in den eigenen Reihen ebenfalls zu leben. Die Befragung hat jedoch ebenfalls gezeigt, dass ein Großteil der Befragten zwar besorgt ist, aber sein Verhalten nur bedingt danach ausrichtet. Interessant wird es, wenn die Teilnehmerschaft von Fridays for Future und anderer Protestgruppen künftig vermehrt an die Unis drängt. Hat dies gesteigerten Verzicht und weniger Auslandssemester in Ländern wie Australien, Neuseeland oder den USA zur Folge? Wir werden diese Entwicklungen beobachten und darüber berichten.