Karriere nach dem Studium: Internetunternehmen im Aufwind

Obwohl die Internetbranche vergleichsweise jung ist, liegt sie in der beruflichen Gunst angehender Hochschulabsolventen bereits vor etlichen etablierten Wirtschaftsbereichen – Platz 11 von 24 im bundesweiten Wunschbranchen-Ranking der Studie „Fachkraft 2020“. Dabei fällt auf: Studierende, die es beruflich in den Internet-Bereich zieht, stützen ihre Planung besonders häufig auf im Studium erworbene Joberfahrung. Beispielhaft!

Das Internet, wie man es kennt und nutzt, gibt es seit nunmehr 20 Jahren. Und in Rekordzeit sind hieraus Unternehmen hervorgegangen, die heute aus unserem Wirtschaftsgefüge nicht mehr wegzudenken sind. Entsprechend schaffte es die Branche im Rahmen der Studienreihe „Fachkraft 2020“ auf einen respektablen Platz 11 unter den 24 beliebtesten Zielbranchen in Deutschland. 20.000 Studenten haben an der Befragung teilgenommen.

Mit dem Ergebnis können Branchenvertreter umso zufriedener sein, da eine Reihe traditionsreicher und großer Branchen im Ranking bereits durchgereicht wurden. So schafften es zum Beispiel Groß- und Einzelhandel und der Versicherungsbereich lediglich auf die Plätze 17 und 23. Der Telekommunikationsbereich gar nur auf Rang 24.

Doch was zieht junge Menschen ins Internet-Metier? Bei Aspekten wie dem erwarteten Einstiegsgehalt (41.441 Euro) oder der antizipierten Jobzufriedenheit kann die Branche jedenfalls nicht sonderlich punkten. Vielmehr scheint es, als lebe der Geist der Branche vom juvenilen Wunsch nach Mitgestaltung. Seit 2012 erhebt Studitemps in wissenschaftlicher Kooperation mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University im Halbjahresrhythmus die Studie „Fachkraft 2020“. Nächste Erhebung: März 2016.

Google dominiert deutlich – Die Top-5-Arbeitgeber bei den Internetunternehmen

Wer ans Internet denkt, denkt an Google. Und auch in der Studie „Fachkraft 2020“ entscheiden sich bei der Frage nach dem zukünftigen Wunscharbeitgeber im Bereich Internetunternehmen starke 31,2 Prozent der Studenten für den Internetriesen. Mit deutlichem Abstand landet der ebenfalls US-amerikanische Konzern Microsoft (14 %) auf dem zweiten Platz, dicht gefolgt vom ewigen Konkurrenten Apple mit 12,0 Prozent. Auch Amazon schafft es mit einem zweistelligen Prozentwert (10,3 %) in die Top-5, Facebook belegt mit 7,2 Prozent den fünften Rang. Alle übrigen Platzierungen finden sich in der nachfolgenden Darstellung.

Beliebteste Arbeitgeber im Bereich der Internetunternehmen

Platz Unternehmen     Wunscharbeitgeber für…* Zentrale (in Deutschland)
1. Google (USA) 31,2 % Berlin
2. Microsoft (USA) 14,0 % München
3. Apple (USA) 12,0 % München
4. Amazon (USA) 10,3 % München
5. Facebook (USA) 7,2 % Hamburg
6. Airbnb 4,6 % Berlin
7. Paypal 3,5 % Kleinmachnow (Brandenburg)
8. Ebay 3,0 % Kleinmachnow (Brandenburg)
9. Zalando 2,5 % Berlin
10. XING 2,3 % Hamburg
11. meinestadt.de 2,0 % Köln
12. Uber 1,7 % Amsterdam
13. Yahoo 1,4 % München
14. monster 1,0 % Eschborn (Hessen)
15. Scout24 Gruppe 1,0 % München
16. stepstone 0,7 % Düsseldorf
17. Salesforce 0,7 % München
18. Baidu 0,5 % Peking
19. Rakuten 0,3 % Bamberg
Ausklappen
* = Anteil aller Branchen-Interessenten
© Studitemps GmbH/Maastricht University

Häufig bereits erste Joberfahrungen in der Branche

In (fast) keiner anderen Branche bringen Absolventen derart viel Vorerfahrung aus branchennahen Nebenjobs mit – 29 Prozent ist in diesem Bereich der Spitzenwert der 24 analysierten Metiers. Nur unter den Studierenden mit Branchenwunsch IT / Soft- / Hardware können ebenso viele Befragte auf vorberufliche Joberfahrungen verweisen. Zum Vergleich: Bei Studenten mit Berufsziel Groß- und Einzelhandel kann dies nur gut die Hälfte. Entsprechend überdurchschnittlich ist auch der Bachelor-Anteil unter den Studenten mit Berufsziel Internetunternehmen (13 %). Hierdurch kommt die Branche auf vergleichsweise kurze Ausbildungszeiten. Der Gehaltswunsch zum Karrierebeginn bewegt sich dabei im mittleren Bereich.

Innerhalb der oben genannten Top-5-Arbeitgeber fällt auf, dass sich Bachelor-Absolventen vor allem für einen beruflichen Einstieg bei Microsoft interessieren (21 %), wohingegen der Anteil bei Apple mit gerade einmal 8 Prozent weit unterdurchschnittlich ausfällt. Dies führt (zwangsläufig) auch zu Differenzen beim gewünschten Gehaltsgefüge. Während Microsoft in dieser Frage knapp unterhalb der 40.000-Euro-Marke verbleibt, dürfte Apple bei anstehenden Bewerbungsgesprächen mit einer monetären Erwartungshaltung von über 42.000 Euro brutto pro Jahr konfrontiert werden. Auch fällt auf, dass bei Microsoft und Google der Anteil von potenziellen Bewerbern mit Joberfahrung im Internetbereich deutlich höher ausfallen dürfte (31 %) als bei Apple (17 %).

Persönlichkeitsmerkmale potenzieller Bewerber bei Internetunternehmen

Emotional stabil, aber nicht unbedingt Teamplayer

Der Blick auf die Ergebnisse des Persönlichkeitstests zeigt: Klar unterdurchschnittliche Werte beim Aspekt Verträglichkeit weisen auf eine vergleichsweise gering ausgeprägte Teamfähigkeit hin. Gleichzeitig zeigen sich erhöhte Werte in Bezug auf emotionale Stabilität. Und das noch am Rande: Aspiranten im Bereich der Internetunternehmen zeichnen sich nicht immer durch besondere Gewissenhaftigkeit aus.

Schnellcheck zur Branche Internetunternehmen

Fazit von Studitemps: „Pack mit an – gestalte, entwickle, performe!“, könnte die berufliche Devise zur Internetbranche lauten. Die nach wie vor existente Aufbruchstimmung im Metier der Internetunternehmen scheint immer mehr Studentinnen und Studenten mitzureißen. Zwar gibt es auch in dieser Branche viele hochqualifizierte Jobprofile, die lange Ausbildungszeiten erfordern, doch scheinen sich zugleich auch schon im Studium viele Möglichkeiten zu ergeben, in der Branche Fuß zu fassen.

Davon profitieren nicht nur die Studierenden, die später beim Berufsstart auf überdurchschnittliche Branchenerfahrungen verweisen können (fast jeder dritte Bewerber). Sondern auch die Unternehmen selbst erwirken auf diese Weise die frühzeitige Bindung vieler junger Menschen. Keine Frage: Nachwuchssorgen haben einstweilen andere Branchen. Und dennoch lässt Platz 11 im Ranking noch einiges an Luft nach oben erkennen.

Klar ist auch: Dort, wo es Unternehmen gelingt (Beispiel Microsoft), angehende Absolventen bereits früh im Studium durch Jobangebote perspektivisch zu überzeugen, kann der Bachelor-Anteil unter potenziellen Bewerbern erheblich ansteigen – bei gleichzeitig geringerem Gehaltsanspruch.