Karriere im Maschinen- und Anlagenbau: Studenten stehen auf Siemens

Gemessen an Umsatz und Beschäftigtenzahl können es Maschinen- und Anlagenbau problemlos mit anderen großen Branchen aufnehmen – schließlich gilt das stark exportorientierte Metier als eine Säule der deutschen Wirtschaft. Dementsprechend glauben auch Studenten an eine rosige Zukunft (in) der Branche. Und doch: Im aktuellen Ranking der Studienreihe „Fachkraft 2020“ kommt sie lediglich auf Rang 10. Eine analytische Spurensuche.

Von den gut 20.000 Studenten, die im Rahmen der jüngsten Befragung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ für einzelne Zielbranchen und Wunscharbeitgeber votierten, zieht es 3,6 Prozent in den Maschinen- und Anlagenbau: Platz 10 im Ranking der 24 analysierten Einzelbranchen. Prozentual gesehen sind Maschinen- und Anlagenbau dem Schlusslicht Telekommunikation (0,7 %) deutlich näher als dem erstplatzierten Medien- und Verlagswesen (17,1 %).

Grund für die Platzierung im Mittelfeld scheint jedoch weniger die Branche selbst als vielmehr der Weg dorthin zu sein. Denn wenig überraschend sind es vor allem Ingenieurwissenschaftler, die eine berufliche Karriere im Maschinen- und Anlagenbau anstreben. Und der Studiengang ist für seine „Hartnäckigkeit“ berühmt-berüchtigt, was Abbruchquoten von bis zu 50 Prozent beweisen. Wer es hingegen schafft, freut sich auf ein offenkundig spannendes Metier mit besten Aussichten auf berufliche Zufriedenheit und geringe Sorge vor Arbeitslosigkeit.

Die Studienreihe „Fachkraft 2020“ – seit 2012 durchgeführt in wissenschaftlicher Kooperation zwischen Studitemps und dem Department of Labour Economics der Maastricht University – erhebt zweimal jährlich umfassend zu studentischen Themen. Darunter auch Fragen zur beruflichen Planung und Zielsetzung der Studenten.

Die Top-5-Arbeitgeber im Maschinen- und Anlagenbau: fest in deutscher Hand

Wer seine berufliche Zukunft im Maschinen- und Anlagenbau sieht, hat es vermeintlich nicht weit. Denn die Top-Arbeitgeber der Branche sind ausnahmslos deutsche Unternehmen. Erst auf Rang 9 findet sich mit Hoerbiger (2,9 %) eine Firma mit Hauptsitz in der Schweiz. Ein geradezu glänzendes Ergebnis kann die Siemens AG für sich verbuchen: Der deutsche Traditionskonzern belegt angesichts eines studentischen Zuspruchs von 38 Prozent mit großem Abstand Platz 1 der Top-Wunscharbeitgeber der Branche. Ferchau Engineering folgt mit ebenfalls guten 16,6 Prozent auf Platz 2. Die Unternehmen Voith (10,4 %), EDAG (8,2 %) und die GEA Group (6,6 %) folgen auf den weiteren Rängen.

Beliebteste Arbeitgeber im Maschinen- und Anlagenbereich

Platz Unternehmen     Wunscharbeitgeber für…* Zentrale (in Deutschland)
1. Siemens AG 38,0 % München
2. Ferchau Engineering 16,6 % Gummersbach
3. Voith 10,4 % Heidenheim (BW)
4. EDAG 8,2 % Wiesbaden
5. GEA Group 6,6 % Düsseldorf
6. SMS Siemag 4,9 %  Düsseldorf
7. Kaeser Kompressoren 4,3 % Coburg
8. SEW Eurodrive 3,7 % Bruchsal (BW)
9. Hoerbiger 2,9 % Schongau
10. Lapp Gruppe 2,3 % Stuttgart
11. Putzmeister 2,0 % Aichtal (BW)
* = Anteil aller Branchen-Interessenten
© Studitemps GmbH/Maastricht University

Wer sich für den Maschinen- und Anlagenbau entscheidet, ist „chronisch“ optimistisch

Nur 21 Prozent der Studenten, die sich für eine Karriere im Bereich Maschinen- und Anlagenbau interessieren, fürchten Probleme beim Jobeinstieg. In keiner anderen Branche sind die Erwartungen derart optimistisch. Und das ist noch nicht alles: Das erwartete Einstiegsgehalt liegt mit 43.449 Euro über dem Durchschnitt, ebenso die Werte im Bereich der antizipierten Jobzufriedenheit (7,47 von maximal 10 Punkten).

Im Gegenzug müssen die Studierenden lange Ausbildungszeiten in Kauf nehmen, denn nur 8 Prozent glauben, es mit einem Bachelor-Abschluss in die Branche schaffen zu können: Platz 18 im diesbezüglichen Ranking, was jedoch der hohen Komplexität des Metiers geschuldet sein dürfte (hier machen längere Ausbildungszeiten absolut Sinn).

Beim Blick auf die Top-Unternehmen fällt Folgendes auf: Vor allem die Siemens AG zieht Studierende mit überdurchschnittlich guten Noten an. Auch in allen anderen Bereichen erzielt der Konzern gute bis sehr gute Zustimmungswerte. Zum Vergleich: Während Studenten bei Siemens mit einer hohen Jobzufriedenheit rechnen (7,53 von 10 Punkten), schneidet Ferchau Engineering in dieser Kategorie bereits deutlich schlechter ab (6,88 Punkte). Dagegen fällt Voith, auf Platz 3 der Top-Arbeitgeber der Branche, durch eine deutlich überdurchschnittliche Bachelor-Quote auf (19 %) – wohl auch, weil hier der Anteil der Befragten mit fachnaher Joberfahrung aus dem Studium mit 26 Prozent vergleichsweise hoch ausfällt.

 Schnellcheck MaschinenbauIn der Ruhe liegt die Kraft

Potenzielle Bewerber der Maschinen- und Anlagenbaubranche erreichen Höchstwerte im Bereich „emotionale Stabilität“ und sind somit als die insgesamt „ausgeglichenste“ Studierendengruppe anzusehen. Auch mit Blick auf die Gewissenhaftigkeit liegt ein Top-Wert vor. Dagegen offenbart die Persönlichkeitsanalyse deutliche Schwächen in Bereichen wie Teamarbeit und Empathie, was sich an der deutlich unterdurchschnittlichen Positionierung der Kategorie „Verträglichkeit“ ablesen lässt. Persönlichkeitsmerkmale Maschinenbau

Fazit von Studitemps: Der akademische Weg in die Maschinen- und Anlagenbaubranche ist steinig und schwer. Komplexe Anforderungen und lange Ausbildungszeiten führen insbesondere bei Studentinnen und Studenten im Bereich der Ingenieurwissenschaften zu hohen Abbruchquoten. Je nach Hochschule sind es bis zu 50 Prozent. Dies dürfte einer der Hauptgründe für das mittelmäßige Abschneiden der Branche im Ranking sein – Platz 10. So entsteht ein ambivalentes Gesamtbild: Tendenziell wenig Interesse steht tendenziell sehr guten Berufsaussichten gegenüber. Bemerkenswert ist zudem, dass es Arbeitgebern wie Voith ganz offensichtlich gelingt, auch junge Absolventen (Bachelor) in großer Zahl für sich zu begeistern. Der Grund: Viele Studenten fassen bereits im Studium Fuß – über entsprechende Nebenjobangebote. Beispielhaft!