Introvertiert und Extrovertiert – Wie sie im Job erfolgreich zusammenarbeiten

Eine Gesellschaft besteht aus einer unüberschaubaren Vielfalt an Persönlichkeiten. Grob kann man diese in die stillen und lauten Menschen unterteilen oder – etwas fachlicher formuliert – in die introvertierten und extrovertierten Personen. Das Verhältnis von Introvertierten und Extrovertierten dürfte in der Gesellschaft ungefähr 50:50 verteilt sein. Dennoch hat man in unserer schnelllebigen, digitalisierten und sich rasant verändernden Zeit meistens das Gefühl, dass die Gesellschaft von extrovertierten Menschen dominiert wird.

Diese Vielfalt an Persönlichkeiten begegnet uns natürlich auch in der Arbeitswelt. Und wo es viele verschiedene Charaktere gibt, da kann es schon mal Konflikte bei der Zusammenarbeit geben. Wie beide Typen dennoch erfolgreich im Job zusammenarbeiten und ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten annehmen können, haben wir im Folgenden zusammengetragen.

Introvertiert versus Extrovertiert

Grundsätzlich wird behauptet, dass extrovertierte Menschen die besseren Chancen im Leben hätten. Sei es im Privatleben, aber auch im Beruf, denn sie haben in der Regel keine Scheu davor ihre Wünsche kund zu tun und verfügen über genügend Selbstbewusstsein, um sich vor stillen Zeitgenossen durchzusetzen. Extrovertierte Menschen sind gesellig, offen, gesprächig, kennen viele Leute und mögen Aufmerksamkeit. Spontanität ist ihr zweiter Vorname, sie lieben die Abwechslung, netzwerken gerne und tanken ihre Batterien dann am besten auf, wenn sie viel Input von Außen bekommen. Wenn es trubelig wird, bewahren sie den Kopf, bei Debatten und hitzigen Diskussionen sind sie schlagfertig und kommen schon mal richtig in Fahrt. Extrovertierte Menschen arbeiten gerne im Team und leben vom gemeinsamen Austausch.

Auf introvertierte Menschen wirkt ihr oftmals impulsives und lautes Verhalten als abschreckend und egoistisch, denn extrovertierte Menschen verstehen sich quasi mit jedem gut und nehmen Kritik oftmals nicht persönlich. Daher kommen sie mit beruflichen Entscheidern in der Regel sehr gut zurecht und können schnell beeindrucken. Für Introvertierte kommt dies oft einer offen zur Schau getragenen Konkurrenzhaltung gleich.

Introvertierte Menschen ticken nämlich ganz anders. Sie sind zurückhaltend und bleiben lieber im Hintergrund, beobachten das Geschehen, statt die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie bilden sich lieber in Ruhe ihre Meinung, als bei jedem Small Talk mit einzusteigen. Bei Freundschaften und beim Netzwerken zählt für sie Qualität statt Quantität. Introvertierte Menschen sind in der Regel besonders emphatisch, sie verfügen über eine hohe emotionale Intelligenz, zeigen ihre Gefühle aber seltener nach Außen, da sie Emotionen zu allererst mit sich selbst ausmachen und viel reflektieren. Im Job schätzen Introvertierte es, wenn sie ihre Ruhe haben, um Aufgaben sorgfältig anzugehen und sich zu konzentrieren. Ablenkung ist für sie kein besonders willkommener Gast. Daher empfinden sie extrovertierte Menschen oft als überrumpelnd und hektisch und fühlen sich von ihnen in die Ecke gedrängt und weniger geschätzt und gewürdigt, da sie ihre Erfolge selten zur Schau stellen. Auf Extrovertierte kann das Verhalten Introvertierter jedoch oft als schüchtern, desinteressiert und sogar unsozial wirken.

Tipps für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Extrovertierte und Introvertierte können trotz ihrer unterschiedlichen Persönlichkeiten gut zusammenarbeiten. Dazu hilft es, wenn sie jeweils ein paar Dinge beachten, die für den jeweils anderen wichtig sind oder ihn ausmachen. Respekt ist hier zudem das Zauberwort.

Umgang mit Introvertierten:

  • Respektieren Sie, dass introvertierte Kollegen konzentriert arbeiten, dabei eventuell die Kopfhörer aufsetzen und nicht bei jedem Witz mitlachen. Üben Sie sich in Geduld, bis der Kollege Ihnen seine volle Aufmerksamkeit von sich aus entgegenbringt. Nutzen Sie z.B. Chats oder Mails, um dem Kollegen etwas mitzuteilen. So bringen Sie ihn nicht aus seiner Arbeit und geben ihm Raum, um Ihre Anliegen in Ruhe zu überdenken.
  • Dass jemandem ins Wort zu fallen nicht gerade von einer guten Kinderstube zeugt und einfach nur unhöflich ist, sollte an dieser Stelle nicht erwähnt werden müssen. Sind sie selbst ein extrovertierter Typ, so geben Sie auch dem ruhigeren Kollegen die Zeit und Möglichkeit, damit er seine Meinung kundtun kann. Wer andere in Meetings dauerhaft übertönt, macht sich ohnehin keine Freunde auf der Arbeit.  
  • Auch wenn Introvertierte weniger reden und weniger blenden, bedeutet das noch lange nicht, dass sie nichts drauf haben oder weniger wissen. Daher sollte man Introvertierten etwas Zeit lassen, bevor man über sie entscheidet und in eine Schublade steckt.
  • Introvertierte Menschen reagieren sensibler auf Geräusche. Läuft auf der Arbeit das Radio in Dauerschleife oder herrscht permanentes Gerede, sollte man nicht davon ausgehen, dass sie das acht Stunden am Tag ertragen. Also: Silent Hours einführen, Radio nur stundenweise anmachen sowie Rückzugsräume oder Home Office anbieten. Nur so kann man das volle Potential seiner Mitarbeiter ausschöpfen.   
  • Es gibt nunmal Menschen auf dieser Welt, die sehr gut alleine und ohne Ablenkung klarkommen. Diese dann jedes Mal sorgenvoll zu fragen “Ist alles gut mit dir?” oder “Was ist los?” ist eher kontraproduktiv.
  • Introvertierte Menschen reden wenig über private Dinge und mögen auch keinen sinnleeren Small Talk. Auch gemeinsame Mittagessen mit dem ganzen Büro sind für sie oft zu viel des Guten. Akzeptieren Sie, dass introvertiere Menschen ein anderes Nähebedürfnis haben und werten es nicht als Distanziertheit oder Arroganz!
  • Binden Sie Ihre introvertierten Kollegen vor allem bei Erfolgen auf der Arbeit ausdrücklich mit ein! Ihnen fällt es nämlich eher schwer, ihre Leistungen und Erfolge prominent zu kommunizieren. So schaffen Sie eine Vertrauenskultur, in der jeder sich jeder wohlfühlt.

Umgang mit Extrovertierten:

  • Ein bisschen Smalltalk tut nicht weh. Denn eine leichte Konversation kann helfen, das Eis zu brechen. Eine extrovertierte Person ganz zu meiden, um sich nicht unterhalten zu müssen, ist auch kein Ausweg. Dann lieber ein paar interessante oder aktuelle Themen aufgreifen. Da kann jeder mitreden!
  • Extrovertierte Menschen haben oftmals weniger Scheu vor Körperkontakt. Verstehen Sie eine Umarmung am besten so, wie sie gemeint ist, nämlich als Zeichen von Wertschätzung und Interesse.
  • Wer nicht von den Kollegen überrumpelt werden will, der sollte selbst aktiv auf sie zugehen. Hat man den Zeitpunkt und das Thema selbst gewählt, so läuft das Gespräch auch direkt flüssiger und Sie fühlen sich wohler!
  • Hinter die Fassade blicken. Nicht jeder, der immer so super selbstbewusst daherkommt, ist in seinem Innersten tatsächlich auch so. Wer öfter einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, muss zudem kein oberflächlicher Typ sein. Also auch hier gilt: nicht vorschnell urteilen.
  • Höflich bleiben. Wem ein impulsives “Du” oder eine Einladung Unbehagen bereiten, der sollte seine Absage immer taktvoll formulieren. Zum Beispiel: “Ich finde es schön, dass Sie mir das DU anbieten. Ich hoffe, es stört Sie aber nicht, wenn ich vorerst gerne beim SIE bleiben würde.”
  • Extrovertierte Menschen lieben Aufmerksamkeit. Wenn sie dann auch noch für eine gut erledigte Aufgabe von ihrem introvertierten Kollegen gelobt werden, dann beflügelt das nicht nur ihr Ego, sondern das gesamte Miteinander. Also einfach mal einen Ruck geben!

Studitemps Fazit: Sowohl für Intro- als auch für Extrovertierte ist es nicht immer einfach am Arbeitsplatz. Menschen, die unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, sind aber nicht dazu verdammt in ständigen Konflikten zusammen zu arbeiten. Wer den anderen nur als schwarz oder weiß sieht, der übersieht ohnehin schnell, dass es bei introvertierten und extrovertierten Menschen durchaus auch ähnliche Merkmale gibt, die einander näher bringen können.

Auch Vorgesetze können helfen indem sie auf ihre Mitarbeiter eingehen, Arbeitsbedingungen anpassen und individuell fördern. Extrovertierte Menschen sollten lernen, sich auch mal zurückzunehmen und für Introvertierte gilt, dass sie ruhig ab und zu mal aus ihrer Komfortzone herauskommen können. Gegenseitiger Respekt, Unterstützung und das Schaffen einer Vertrauenskultur sollten dabei immer beachtet werden, denn sie stärken alle Mitarbeiter und bringen ihre positiven Eigenschaften am besten zum Vorschein.