Hamburg top – Sachsen-Anhalt flop: Wohin es Hochschulabsolventen beruflich zieht

Problemkomplex Absolventen-Abwanderung: Da investieren alle 16 Bundesländer nach Kräften in die akademische Bildung ihrer Studierenden, doch personell profitieren anschließend nur 4 davon (namentlich Hamburg, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg). Alle übrigen Länder müssen sich einer aktuellen Analyse der Studie „Fachkraft 2020“ zufolge auf die Abwanderung akademischer Köpfe gefasst machen – in teils drastischer Dimension.

Nicht nur fachlich, sondern auch örtlich haben Studierende in Deutschland ein klares Bild vom Start in die berufliche Karriere. Häufig soll dieser jedoch nicht dort stattfinden, wo studiert wird. Heißt: Vielfach folgt dem Abschluss der Fortzug, bevorzugt in ein anderes Bundesland. Problematisch daran ist, dass sich die Migrationsinteressen laut einer aktuellen Analyse der Studienreihe „Fachkraft 2020“ alles andere als gleichmäßig auf die Regionen verteilen.

Denn während sich per Saldo für lediglich 4 Bundesländer eine positive Bilanz abzeichnet, dürften die übrigen 12 in den kommenden Jahren mehr oder minder große Probleme haben, ihren Bedarf an akademischen Köpfen zu bedienen. Das prozentuale Ausmaß der Problematik stellt sich dabei wie folgt dar: Den größten Zuzug verzeichnet bundesweit mit deutlichem Abstand Hamburg (+159 %), gefolgt von Berlin (+66 %). Dem gegenüber stehen am unteren Ende des Tableaus Sachsen-Anhalt (-70 %) und Brandenburg (-62 %).

Veranschaulichung der Zahlen am Beispiel Hamburgs: Das Plus von 159 Prozent für Hamburg bedeutet, dass auf 100 vor Ort ausgebildete Absolventen pro Altersjahrgang zusätzliche 159 aus anderen Bundesländern kommen. Durch Zuzug eben.

Bereits zum wiederholten Mal wurde die Frage nach den beruflichen Zielregionen der Studierenden in Deutschland im Rahmen der Studienreihe „Fachkraft 2020“ beantwortet. Die vorliegenden Daten dazu entstammen der 5. bundesweiten Erhebung (September 2014), an der bundesweit etwa 25.000 Hochschülerinnen und Hochschüler teilgenommen haben. An der Analyse beteiligt war wie immer seit Start der Studienreihe im September 2012 das Department of Labour Economics der Maastricht University.

Wanderungsgewinne und -verluste der Bundesländer (per Saldo) am Übergang von Hochschule zu Beruf

Migration_Einleitung

Hohe Ergebnisstabilität von 2013 bis 2014

Der Frage nach den Migrationsinteressen junger Akademiker wurde im Rahmen der Erhebungen zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ bereits in drei aufeinander folgenden Jahren nachgegangen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang die hohe Ergebnisstabilität des studentischen Meinungsbildes. So konnte in allen Erhebungen lediglich für besagte 4 Bundesländer (Hamburg, Berlin, Bayern, Baden-Württemberg) Nettozuzug errechnet werden.

Ebenso zeigt sich über alle Befragungen hinweg auch hinsichtlich der prozentualen Ausprägung von Gewinnen respektive Verlusten einzelner Bundesländer eine hohe Ergebniskonstanz. Zu nennen wäre exemplarisch Sachsen, wo die höchste festgestellte Abwanderungstendenz (2013: -26 %) und deren geringster Widerpart (2014: -23 %) lediglich 3 Prozentpunkte auseinander liegen.

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Wanderungsgewinne und -verluste der Bundesländer (per Saldo) am Übergang von Hochschule zu Beruf – Ergebnisdarstellung 2013 bis 2015

 Bundesland Erhebungsjahr
2015 2014 2013
Baden-Württemberg 20 % 20 % 16 %
Bayern 22 % 23 % 17 %
Berlin 66 % 54 % 78 %
Brandenburg -63 % -66 % -72 %
Bremen -23 % -21 % -31 %
Hamburg 159 % 216% 167 %
Hessen -20 % -17 % -20 %
Mecklenburg-Vorpommern -35 % -40 % -46 %
Niedersachsen -11 % -19 % -23 %
Nordrhein-Westfalen -14 % -8 % -12 %
Rheinland-Pfalz -47 % -54 % -49 %
Saarland -44 % -32 % -44 %
Sachsen -24 % -23 % -26 %
Sachsen-Anhalt -70 % -65 % -67 %
Schleswig-Holstein -19 % -27 % -23%
Thüringen -59 % -50 % -53%
© Studitemps GMBH / MAASTRICHT UNIVERSITY

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Deutliche Schwankungen je nach Abschlussart

ufBei der Betrachtung der Abschlussarten (1) Bachelor, (2) Master, (3) Examen und (4) Promotion fällt für die Erhebung des Jahres 2015 a, dass in der Migrationsfrage gegenüber dem zuvor dargestellten Gesamtbild zum Teil erhebliche Abweichungen vorliegen. So verzeichnet beispielsweise das Saarland – mit Blick auf alle Absolventen noch tief in der Verlustzone (-44 %) – bei der isolierten Analyse der Abschlussart Bachelor einen Saldo-Zuzug von 33 Prozent. Ähnlich ergeht es Niedersachsen und Schleswig-Holstein beim Aspekt Staatsexamen.

Bachelor: Die prozentuale Kluft zwischen maximaler Zu- und Abwanderung fällt im Bachelor-Bereich vergleichsweise moderat aus. So steht dem Plus von 75 Prozent in Hamburg ein Minus von 62 Prozent in Sachsen-Anhalt gegenüber. Interessant auch: Dank des positiven Stimmungsbildes für das Saarland steigt die Zahl der Länder mit Absolventen-Gewinn im Bachelor-Bereich auf 5.

Master: Das Bild im Master-Bereich ist der eingangs dieses Artikels beschriebenen Gesamtsituation recht vergleichbar. Denn auch hier gibt es in Hamburg, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg lediglich 4 Bundesländer mit Gewinnpotenzial. Prozentual erstreckt sich das studentische Votum von starken 192 Prozent Zuzug in Hamburg (mehr wurde in keiner anderen Kategorie erfasst) bis hin zu einem Minus von jeweils 72 Prozent in Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Examen: Die insgesamt meisten Bundesländer mit Gewinnpotenzial finden sich für den Abschluss Staatsexamen. Hier sind es 6 an der Zahl, wobei zu den Standard-Gewinnern Hamburg (Maximum mit einem Plus von 153 %), Berlin, Bayern und Baden-Württemberg noch Niedersachsen und Schleswig-Holstein hinzu kommen. Das größte Minus liegt mit 60 Prozent für das Saarland vor.

Promotion: Das größte Minus aller analysierten Abschlussarten liegt für den Bereich Promotion vor. Zu verzeichnen hat es (erneut) Sachsen-Anhalt, wo 76 Prozent der Promovierenden nach dem Abschluss abwandern wollen. Der größte Zuzug dürfte auch hier Hamburg zuteil werden (+133 %).

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Wanderungsgewinne und -verluste der Bundesländer (per Saldo) am Übergang von Hochschule zu Beruf – nach

 Bundesland Bachelor Master Examen Promotion
Baden-Württemberg 10 %  23 %  10 %  17 %
Bayern 14 % 24 % 6 %  20 %
Berlin 56 % 60 % 90 %  76 %
Brandenburg -33 %  -72 %  -35 %  -62 %
Bremen -26 %  -18 %  -33 %  -34 %
Hamburg 75 %  192% 153 %  133 %
Hessen -8 %  -22 %  -34 %  -13 %
Mecklenburg-Vorpommern -33 %  -28 %  -48 %  -44 %
Niedersachsen -3 %  -13 % 46 %  -7 %
Nordrhein-Westfalen -12 % -14 % -3 % -18 %
Rheinland-Pfalz -38 % -51 % -3 % -54 %
Saarland 33 % -49 % -60 % -29 %
Sachsen -29 % -19 % -26 % -17 %
Sachsen-Anhalt -62 % -72 % -57 % -76 %
Schleswig-Holstein -20 % -23 % 21% -7 %
Thüringen -57 % -60 % -43% -64 %
© Studitemps GMBH / MAASTRICHT UNIVERSITY

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MINT-Bereich: Leichtes Plus für Mecklenburg-Vorpommern

Im Bereich der ökonomisch besonders bedeutsamen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) liegt länderspezifisch ebenfalls eine hohe Heterogenität vor. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass zu den 4 Standard-Gewinnern mit Mecklenburg-Vorpommern eine weitere Gewinnregion hinzu kommt, der ansonsten eher negative Vorzeichen beschieden sind. Im MINT-Bereich kann das Land mit einem Plus von immerhin 3 Prozent rechnen.

Ansonsten das übliche Bild: Hamburg kommt mit einem Plus von 151 Prozent auch in dieser zentralen Fachkombination bundesweit am besten weg – hier jedoch gefolgt von Bayern (+44 %). Am unteren Ende der Tabelle finden sich Sachsen-Anhalt (-72 %) und Brandenburg (-60 %).

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Wanderungsgewinne und -verluste der Bundesländer (per Saldo) am Übergang von Hochschule zu Beruf – nur MINT-Bereich

Baden-Württemberg 25 %
Bayern 44 %
Berlin 40 %
Brandenburg -60 %
Bremen -42 %
Hamburg 151%
Hessen -25 %
Mecklenburg-Vorpommern 3 %
Niedersachsen -13 %
Nordrhein-Westfalen -20 %
Rheinland-Pfalz -44 %
Saarland -38 %
Sachsen -31 %
Sachsen-Anhalt -72 %
Schleswig-Holstein -34 %
Thüringen -58 %
© Studitemps GMBH / MAASTRICHT UNIVERSITY

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Fazit von Studitemps: Bereits zum dritten Mal wurde im Rahmen der Studienreihe „Fachkraft 2020“ erhoben, welche Länderpräferenzen Studierende hinsichtlich des beruflichen Starts haben. Dabei zeigt sich: Es liegt eine insgesamt hohe Ergebnisstabilität vor. So zeigt nämlich der Vergleich der für diesen Artikel aktualisierten Daten mit denen der Jahre 2013 und 2014, wie wenig variabel Studierende in ihren Migrationsinteressen zu sein scheinen.

Damals wie heute: Hamburg ist prozentual das mit Abstand attraktivste Land für Absolventen. Dem Plus von 2013 (167 %) stehen aktuell besagte 159 Prozent gegenüber. Auch sind es in allen bisherigen Erhebungen lediglich 4 Bundesländer, deren Saldo positiv ausfällt – Hamburg, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg. Ähnlich stabil ist die Situation am Ende des Tableaus. Wie gesagt: Studierende scheinen ein jahrgangsübergreifend festes Bild von der beruflichen Attraktivität einzelner Regionen zu haben.

Doch wie damit umgehen? Oder anders gefragt: Wie lassen sich Studierende gerade dort vom Bleiben überzeugen, wo es den vorliegenden Daten zufolge personell besonders schwierig werden könnte – in Sachsen-Anhalt etwa, Brandenburg oder Thüringen. Reines Ost-Problem? Entschieden nein! Denn auch Rheinland-Pfalz, das Saarland und selbst Hessen schneiden im Bleibe-Votum der Studierenden alles andere als gut ab.

Die operative Erfahrung bei Studitemps ist folgende: Dort, wo es gelingt, Hochschülerinnen und Hochschüler bereits früh im Studium zu binden und – noch wichtiger – als Unternehmen zu begeistern, kommen Gedanken ans Abwandern deutlich seltener auf. Wir unterstützen Sie gerne dabei!