Fast 80 Prozent aller Studierenden haben Joberfahrung

Die Analyse der studentischen Jobsituation ist ein zentrales Anliegen der Studienreihe „Fachkraft 2020“. Und hier zeigt sich: 79 Prozent der Studierenden in Deutschland können auf Joberfahrung verweisen. Im Vergleich zum Wintersemester 2012/13 ist damit die studentische Partizipation am Jobmarkt um 3 Prozentpunkte gestiegen. Sie packen also unvermindert an, die Absolventen der Zukunft. Zeit für einen Blick auf die Details.

Etwa 79 Prozent der rund 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 4. bundesweiten Erhebung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ gaben an, im „bisherigen Verlauf“ des Studiums Joberfahrung gesammelt zu haben – und zwar aus mindestens einem Nebenjob. Den größten Anteil stellen dabei diejenigen Befragten, die auf bislang einen Nebenjob kommen (27 %), gefolgt von solchen mit bis dato zwei Nebentätigkeiten (22 %).

Damit ist im Umkehrschluss auch klar: Erwerbslosigkeit spielt im Leben der Studierenden durchaus eine Rolle. Immerhin betrifft dies den Angaben zufolge fast jeden fünften Absolventen in spe (exakt 21 %). Jedoch überwiegen bei weitem die Lust und/oder die Notwendigkeit, bereits im Studium am Arbeitsmarkt präsent zu sein. Die Studienreihe „Fachkraft 2020“ wird von Studitemps bereits seit 2012 in wissenschaftlicher Kooperation durchgeführt.

Hochschülerinnen haben etwas mehr Joberfahrung als Hochschüler

Dass das Ausmaß an Joberfahrung stark an das Lebensalter geknüpft zu sein scheint, verdeutlicht der Blick auf die Situation in den Studiengängen Bachelor, Master und Promotion. Denn: Während im Bachelor (dem Studiengang mit dem jüngsten Altersdurchschnitt) das „bisherige“ Fehlen jeglicher Joberfahrung mit anteilig 24 Prozent noch vergleichsweise hoch ausfällt, sinkt der Wert in den konsekutiven Studiengängen Master (13 %) und Promotion (7 %) stetig.

Analog dazu liegt für die Antwortoption „Ich hatte bislang mindestens 4 Jobs“ ein diametral entgegengesetztes Bild vor: (1) Bachelor: 6 Prozent, (2) Master: 17 Prozent, (3) Promotion: 29 Prozent. Außerdem wurde festgestellt, dass die Jobpartizipation auf weiblicher Seite leicht höher als auf der männlichen ausfällt. So gaben 20 Prozent der Studentinnen an, bis dato noch nicht gejobbt zu haben. 3 Prozent mehr waren es bei den Studenten.

Individuelle Jobquantität im bisherigen Studienverlauf

Joberfahrung Anteil Studierende
Bislang 0 Nebenjobs 21 %
Bislang 1 nebenjob 27 %
Bislang 2 Nebenjobs 22 %
Bislang 3 Nebenjobs 14 %
Bislang 4 Nebenjobs 7 %
Bislang 5 und mehr Nebenjobs 9 %
© Studitemps GMBH / MAASTRICHT UNIVERSITY

Informatiker haben am wenigsten Joberfahrung

26 Prozent der Studierenden im Fachbereich Informatik gaben an, über keinerlei Joberfahrung zu verfügen – Höchstwert im Vergleich der Studiengänge. Dem gegenüber wurde das Minimum mit anteilig 15 Prozent im Bereich der Sportwissenschaften festgestellt. Letztere sind es auch, die in der Kategorie „Mittlere Joberfahrung“ (bis dato 2 Nebenjobs) mit 27 Prozent den höchsten Grad an individueller Teilhabe am studentischen Arbeitsmarkt erzielen.

Auf die meisten Jobs (bis dato 4 und mehr) können mit anteilig 13 Prozent gleich 4 Fachrichtungen verweisen. Hierbei handelt es sich um: (1) Erziehungswissenschaften, (2) Religionswissenschaften, (3) Sozial- und Geisteswissenschaften sowie (4) Sprach- und Kulturwissenschaften. Den letzten Platz in dieser Kategorie belegen erneut Studierende des Faches Informatik, von denen lediglich 6 Prozent mit mindestens 4 bisherigen Tätigkeiten aufwarten können.

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Joberfahrung nach Fachbereich

Fachbereich Vorhandene Joberfahrung
Keine 1 Job 2 Jobs 3 Jobs 4 Jobs > 4 Jobs
Erziehungswissenschaften 17 % 26 % 21 % 16  % 7 % 13 %
Informatik 26 % 30 % 21 % 12 % 5 % 6 %
Ingenieurswissenschaft 25 % 29 % 22 % 11 % 5 % 7 %
Kunst/Musik 17 % 25 % 24 % 14 % 7 % 12 %
Mathematik 19 % 28 % 24 % 16 % 6 % 8 %
Medien/Kommunikation 21 % 24 % 22 % 16 % 7 % 9 %
Medizin 25 % 27 % 21% 13 % 6 % 7 %
Naturwissenschaften 24 % 27 % 21 % 13 % 8 % 8 %
Psychologie 21 % 25 % 19 % 15 % 9 % 11 %
Rechtswissenschaft 21 % 28 % 23 % 12 % 6 % 9 %
Religionswissenschaft 22 % 22 % 19 % 18 % 6 % 13 %
Sozial-/Geisteswissenschaft 17 % 25 % 22 % 14 % 9 % 13 %
Sportwissenschaft 15 % 23 % 27 % 16 % 9 % 10 %
Sprach-/Kulturwissenschaft 17 % 23 % 22 % 17 % 8 % 13 %
Wirtschaftswissenschaften 21 % 30 % 22 % 13 % 7 % 7 %
© Studitemps GMBH / MAASTRICHT UNIVERSITY

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Fazit von Studitemps: Faule Haut? Von wegen! Die Untersuchung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig das frühzeitige Erlangen von Joberfahrung den Studierenden zu sein scheint. Denn: Knapp 80 Prozent der 25.000 Befragten hatten im bisherigen Studienverlauf zumindest einen Job. Positiv – und erwartbar – zudem, dass der Anteil der Studierenden mit Joberfahrung parallel zu Alter und Bildungsgrad (Bachelor, Master, Promotion) stetig anwächst.

Doch was ist mit jenen 21 Prozent, die angaben, während des Studiums noch nicht gearbeitet zu haben? Keine Lust? Nein, (wahrscheinlich) weit gefehlt, denn die Selbstauskunft fördert andere Gründe zu Tage. Zuvorderst zu nennen ist hier einen zu hohe Belastung durch das Studium (40 %), gefolgt von der Aussage, dass man sich erst kurz im Studium befinde (Job wird folgen). Finanziell nicht nötig haben es lediglich 16 Prozent der Studierenden ohne Joberfahrung.

Daher: Um auch jene bis dato joblos gebliebene Reserve aktivieren zu können, bedarf es zuvorderst des Ausbaus zeitlich flexibler Jobangebote, durch die Studium und Job parallel machbarer würden. Gelingt dies, besteht die begründete Hoffnung, dass im Laufe der kommenden Erhebungen noch mehr Studierende die Frage nach der Aufnahme einer bezahlten Tätigkeit bejahen können. Ein Ziel, das lohnt! Wir arbeiten dran…