Energie- und Versorgungsunternehmen bei Jobeinsteigern wenig angesagt

Im Energie- und Versorgungssektor ist viel in Bewegung. Die Energiewende und der Ausstieg aus der Atomkraft – nur zwei der großen Herausforderungen, der sich die Branche gegenübersieht – schüren viel Verunsicherung, bergen jedoch gleichfalls enormes Potenzial für Innovation und Wachstum. Doch „Fachkraft 2020“ zeigt: Bei Studentinnen und Studenten ist die Branche derzeit wenig angesagt.

Im Vergleich zu Branchen und Unternehmen, die Studierende unmittelbar im Alltag begleiten, schneidet der Energie- und Versorgersektor hinsichtlich des Bekanntheitsgrades naturgemäß mäßig ab. 53 Prozent reichen zu Platz 10 vor dem Chemiebereich (50 %) und dem Maschinen- und Anlagenbau (22 %). Den höchsten Bekanntheitswert erzielt der Einzelhandel mit 94 Prozent. Untersucht wurde die Bekanntheit der Top-7-Unternehmen 12 ausgesuchter Branchen.

In der vorangegangenen Erhebung der “Fachkraft 2020”-Studienreihe im März 2015 wurden 24 Branchen auf ihre Beliebtheit untersucht. Dabei wurden auch die sieben attraktivsten Arbeitgeber jeder Branche identifiziert.

Der Blick auf die Beliebtheit der Unternehmen im Energie- und Versorgersektor dürfte eher verhaltene Reaktionen auslösen. Lediglich 30 Prozent der Studierenden gaben an, dass sie sich vorstellen könnten, nach ihrem Abschluss für einen der ihnen bekannten Top-7-Energie- bzw. Versorgerkonzerne zu arbeiten. Mit diesem Ergebnis gelingt es der Sparte bei weitem nicht, an die Werte der beliebtesten Automobilindustrie (62 %) anzuknüpfen. Die Energie- und Versorgerbranche kann, gemeinsam mit dem ebenfalls bei 30 Prozent liegenden Bankwesen, nur den Einzelhandel (27 %) sowie die Telekommunikationssparte (25 %) hinter sich lassen.

Um stetig mehr über die Lebenssituation von Studierenden in Deutschland zu erfahren, erhebt Studitemps zweimal jährlich in wissenschaftlicher Kooperation mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University die Studie „Fachkraft 2020“. Die vorliegenden Daten entstammen der März-Befragung dieses Jahres.

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Deutliche Bekanntheitsunterschiede – auch zwischen den „Großen“ der Branche

Der Shell-Konzern ist 95 Prozent der Hochschülerinnen und Hochschüler ein Begriff und schafft damit einen Abstand von 16 Prozentpunkten zum zweitplatzierten Unternehmen RWE (79 %). Beinahe gleichauf liegt E.ON (77 %) auf Rang 3. Vattenfall ist 57 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen und –teilnehmer geläufig und erreicht somit den vierten Rang, vor EnBW (39 %). Recht deutlich ist die Differenz zu den nächstplatzierten Berliner Wasserbetrieben, die wiederum mit 19 Prozent nur noch ABB (13 %) hinter sich lassen können.

RWE aus Sicht der Studierenden attraktivster Arbeitgeber

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse hinsichtlich der Beliebtheit verschieben sich die Werte zugunsten von RWE und EnBW. 47 Prozent der Hochschülerinnen und Hochschüler, die RWE kennen, empfinden eine Karriere dort als erstrebenswert, bei EnBW sind es 43 Prozent. ABB nehmen 38 Prozent als attraktiven potenziellen Arbeitgeber wahr, gefolgt von E.ON (28 %). Shell (24 %), Vattenfall (23 %) und die Berliner Wasserbetriebe (20 %) beschließen das Beliebtheitsranking der Top-7-Unternehmen der Energie- und Versorgerbranche.

Für den potenziellen Fachkräftenachwuchs keine herausragenden Benefits

Die Energie- und Versorgersparte erreicht bei keinem der untersuchten Jobwahlkriterien überdurchschnittliche Werte. Insgesamt ist die Beurteilung als mittelmäßig bis leicht unterdurchschnittlich zu bezeichnen. Besonders schlechte Durchschnittswerte erzielt die Branche bei den Kriterien Internationales Profil (72 %), Social Media Präsenz (56 %) sowie Freizeit- und Sportangebote (47 %).

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Fazit von Studitemps: Keine einfachen Zeiten für die Energie- und Versorgersparte. Insbesondere im Energiesektor ist spätestens seit Fukushima viel im Umbruch. Der Bedarf an Fachkräften ist dennoch – oder gerade deshalb? – groß. Schade, dass das Image der Branche nach wie vor wenig Anziehungskraft auf die zukünftigen Absolventen ausübt. Dabei braucht es für die Herausforderungen der Zukunft insbesondere auch viele Spezialisten. Das eröffnet Chancen – auch für akademische Fachkräfte. Statt langfristiger und finanziell aufwändiger Imagekampagnen schlagen wir vor: Einfach mal versuchen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Am besten schon während des Studiums. Ganz nach dem Motto: Akademischen Fachkräftenachwuchs möglichst früh gewinnen und binden.

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