Bayern zieht Hochschulabsolventen an – gerade aus dem MINT-Bereich

Für Bayern zeichnen sich seit Jahren stabile Wanderungsgewinne von Hochschulabsolventen ab. Laut einer aktuellen Analyse der Studienreihe „Fachkraft 2020“ ist das Land vor allem bei Berufseinsteigern aus dem MINT-Bereich sehr beliebt – d. h. aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Beste Aussichten also für den Hightech-Standort Bayern, wäre da nicht das starke Beliebtheits-Gefälle zwischen männlichen und weiblichen Absolventen.

Keine Frage, Bayern gehört unter Hochschulabsolventen zu den beliebtesten Regionen in Deutschland. In Zahlen ausgedrückt: Alleine 2015 dürfte die Nettozuwanderung unter Hochschulabsolventen bei 22 Prozent gelegen haben. 2014 waren es 23 Prozent, 2013 rund 17 Prozent – stabil starker Zuzug also von Akademikern. Laut einer aktuellen Untersuchung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ ist Bayern damit bei angehenden Berufseinsteigern das beliebteste deutsche Flächenland, knapp vor Baden-Württemberg.

Besonders vorteilhaft kann sich Bayern dort positionieren, wo der personelle Bedarf bundesweit am dringlichsten ist. Gemeint ist der viel zitierte MINT-Bereich, dessen Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik/Ingenieurwissenschaften maßgeblichen Einfluss auf den Fortbestand des Qualitätssiegels „Made in Germany“ haben dürften. Alleine in diesen Fächern verzeichnet Bayern für 2015 per Saldo ein Plus von 44 Prozent.

Alles super also im Freistaat? Fast, muss man sagen, denn die Beliebtheit ist bei den Geschlechtern recht ungleich verteilt. So sind satte drei Viertel der Zuwanderer männlich. Größer ist das Gefälle in keinem anderen Bundesland. Die bundesweiten Erhebungen zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ werden seit 2012 in wissenschaftlicher Kooperation zwischen Studitemps und dem Department of Labour Economics der Maastricht University durchgeführt. An der Befragung, auf der die vorliegenden Ergebnisse basieren, haben im März 2015 rund 25.000 Studierende teilgenommen.

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Wanderungsgewinne und -verluste der Bundesländer (per Saldo) am Übergang von Hochschule zu Beruf – Ergebnisdarstellung 2013 bis 2015

 Bundesland Erhebungsjahr
2015 2014 2013
Baden-Württemberg 20 % 20 % 16 %
Bayern 22 % 23 % 17 %
Berlin 66 % 54 % 78 %
Brandenburg -63 % -66 % -72 %
Bremen -23 % -21 % -31 %
Hamburg 159 & 216 % 167 %
Hessen -20 % -17 % -20 %
Mecklenburg-Vorpommern -35 % -40 % -46 %
Niedersachsen -11 % -19 % -23 %
Nordrhein-Westfalen -14 % -8 % -12 %
Rheinland-Pfalz -47 % -54 % -49 %
Saarland -44 % -32 % -44 %
Sachsen -24 % -23 % -26 %
Sachsen-Anhalt -70 % -65 % -67 %
Schleswig-Holstein -19 % -27 % -23 %
Thüringen -59 % -50 % -53%
© Studitemps GMBH / MAASTRICHT UNIVERSITY

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Bayerns größtes Plus – der MINT-Bereich

Den prozentual höchsten Zuwachs verzeichnet Bayern unter solchen Hochschulabsolventen, die dem MINT-Bereich angehören. Per Saldo ergab die vorliegende Analyse zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ alleine für 2015 ein Plus von 44 Prozent, nahezu ideale Rahmenbedingungen für die Zukunft des Hightech-Standorts Bayern. Zum Vergleich: Lediglich der Stadtstaat Hamburg verzeichnet innerhalb dieser Gruppe einen höheren Zuwachs (+151 %). Platz 3 belegt mit einem Plus von 24 Prozent Baden-Württemberg. Dagegen zeichnet sich für nicht weniger als elf Bundesländer im MINT-Bereich eine Nettoabwanderung ab. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit einem Minus von 72 Prozent.

Wanderungstendenzen Bayern

Bei weiblichen Absolventen kann Bayern nur bedingt punkten

Getrübt wird das Bild durch eine erhebliche geschlechtliche Heterogenität, die mit Blick auf Bayern nachgewiesen werden konnte. Denn: Während der Wanderungsgewinn des Freistaats 2015 (alle Studiengänge) auf männlicher Seite bei 36 Prozent liegen dürfte, sind es auf weiblicher Seite lediglich 12 Prozent. Damit hat Bayern im geschlechtlichen Kontext die bundesweit höchste Disparität zu bieten. Verglichen damit fallen die Wanderungstendenzen der meisten anderen Bundesländer unter Frauen und Männern mehr oder minder ausgeglichen aus. Zu nennen sind vor allem die „Verlustländer“ Rheinland-Pfalz (männlich: -48 % / weiblich: -47 %), Thüringen (m.: -61 % / w.: -58 %) und das von kräftiger Zuwanderung gekennzeichnete Berlin (m.: 64 % / w.: 69 %).

Wnaderungstendenzen der Bundesländer nach Geschlecht

Fazit von Studitemps: Bayern steht wirtschaftlich blendend da – heute und wohl auch in Zukunft. Hierfür spricht die große Beliebtheit des Landes bei Hochschulabsolventen, vor allem bei solchen aus dem besonders begehrten MINT-Bereich. Alleine hier zeichnete sich für das Land mit Blick aufs zurückliegende Jahr 2015 eine satte Nettozuwanderung von 44 Prozent ab. Prima für die ökonomische Zukunft des Landes.

Doch was das Wirtschaftsministerium freut, muss nicht auch fürs Familienministerium gut sein. So zeichnet sich für Bayern ein deutliches geschlechtliches Ungleichgewicht ab. Denn der Zuzug ist klar männlich dominiert – im Verhältnis 3:1. Ein Hauptgrund hierfür ist eben jener MINT-Bereich, der stark männlich geprägt ist. Naheliegende Konsequenz: Der politische Kampf um die Frauenquote erhält in Bayern zwangsläufig (auch) eine statistische Note.