Ansehensverlust: Bankwesen steht bei akademischen Berufseinsteigern nicht hoch im Kurs

Die Zeiten, in denen ein Job bei der Bank als besonders attraktiv galt, sind scheinbar Vergangenheit. Bei sieben von zehn studentischen Jobwahlkriterien, die in der aktuellen “Fachkraft 2020”-Erhebung untersucht wurden, schneidet die Branche unterdurchschnittlich ab. Besonders in puncto Work-Life-Balance sehen die befragten Studierenden Nachholbedarf. Zeit zu handeln!

Mit Blick auf die durchschnittliche Bekanntheit unter Studentinnen und Studenten erreichen die analysierten Unternehmen des Bankensektors einen mittleren Wert von 66 Prozent – Rang 7 im aktuellen Ranking der Studienreihe „Fachkraft 2020“. Deutlich bekannter sind unter angehenden Absolventen zum Beispiel die Unternehmen der Einzelhandelsbranche (94 %: Platz 1) oder der Internet- und IT-Branche (91 %: Platz 2), während der Maschinen- und Anlagenbau mit einem Durchschnittswert von lediglich 22 Prozent den geringsten Bekanntheitsgrad der zwölf untersuchten Branchen mitbringt.

In der vorangegangenen Erhebung der “Fachkraft 2020”-Studienreihe im März 2015 wurden 24 Branchen auf ihre Beliebtheit untersucht. Dabei wurden auch die sieben attraktivsten Arbeitgeber jeder Branche identifiziert.

Darüber hinaus gilt ein Job in der Branche nur für 30 Prozent derjenigen, die die Top-7-Unternehmen des Bankwesens kennen, als attraktiv. Lediglich Einzelhandel (27 %) und Telekommunikation (25 %) schneiden diesbezüglich schlechter ab. Besonders beliebt ist hingegen die Automobilbranche, die mit 62 Prozent die meisten Studierenden für eine Karriere interessieren kann.

Die vorliegenden Ergebnisse resultieren aus der 7. bundesweiten Erhebung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“, die im September 2015 in wissenschaftlicher Kooperation zwischen Studitemps und dem Department of Labour Economics der Maastricht University durchgeführt wurde. Rund 25.000 Studierende haben an der Befragung teilgenommen.

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Deutsche Unternehmen haben die Nase vorn

Mit einem Bekanntheitsgrad von 99 Prozent teilen sich Commerzbank und Deutsche Bank die Pole Position, der Abstand zur drittplatzierten Deutschen Bank (97 %) beträgt jedoch gerade einmal zwei Prozentpunkte. Mit diesem Maß an Bekanntheit können die Banken, deren Hauptsitz sich außerhalb Deutschlands befindet, nicht mithalten. Die Bank of America (49 %) kennt jedoch immerhin noch jeder zweite Studierende. Sie ist damit nur geringfügig bekannter als Goldman Sachs (45 %). JPMorgan Chase (31 %) und Credit Suisse (24 %) belegen die Ränge 6 und 7.

Hohe Bekanntheitswerte bedeuten nicht unbedingt hohe Arbeitgeberattraktivität

Obwohl beinahe allen Studierenden bekannt, bekunden vergleichsweise wenige zukünftige Absolventen Interesse an einer Karriere in den drei großen deutschen Banken. Mit 28 Prozent liegt die Commerzbank dabei knapp vor der Deutschen Bank (27 %) und der Deutschen Postbank (25 %). Es kann sich also lediglich etwa jeder vierte Studierende vorstellen, bei letzterer zu arbeiten. Nur die Bank of America (23 %) wird als karriereperspektivisch weniger interessant wahrgenommen. JP Morgan Chase hingegen erzielt den höchsten Wert von 50 Prozent.

Schlechte Werte bei wichtigen Jobwahlkriterien

Bei der Einschätzung relevanter studentischer Jobwahlkriterien erzielt der Bankensektor überwiegend unterdurchschnittliche Werte. Besonders negativ bewerten die Befragten die Kriterien Work-Life-Modelle (58 %) sowie Familienfreundlichkeit (56 %) – in beiden Fällen sind es die schlechtesten Werte im Vergleich aller Branchen. Lediglich mit Blick auf die Aufstiegsmöglichkeiten (80 %) und die Angebote für Aus- und Weiterbildung (88 %) können die Banken bei potenziellen Nachwuchskräften Punkte sammeln.

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Fazit von Studitemps: Die Finanzkrise und die damit verbundene negative Berichterstattung scheinen nicht spurlos an der Bankenbranche vorbeigegangen zu sein. Zumindest wäre dies eine mögliche Erklärung für das schlechte Image, das die befragten Studierenden mit der Branche verbinden. Überspitzt ausgedrückt – jeder kennt die Banken, aber nur wenige möchten dort arbeiten. Um mittel- und langfristig Problemen bei der Rekrutierung von Fachkräften vorzubeugen, ist es notwendig, entstandene Vorurteile abzubauen und den akademischen Nachwuchs wieder von den Vorteilen der Arbeit in den Banken zu überzeugen.

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