Als Absolvent in die Logistik? Mehr „Bewegung“ täte der Branche gut

Schon bei der vorangegangenen „Fachkraft 2020“-Untersuchung zur bundesweiten Attraktivität von Branchen und Arbeitgebern hatte der Bereich Logistik bei den Studierenden keinen guten Stand. Und auch die Ergebnisse der aktuellen Erhebung dürften Branchenvertretern zu denken geben – dem Metier fehlt es scheinbar an Überzeugungskraft. Aber warum eigentlich?

In einer aktuellen Analyse der Studienreihe „Fachkraft 2020“ ergab sich für den Logistiksektor hinsichtlich der Bekanntheit seiner größten Arbeitgeber ein lediglich mäßiger Durchschnittswert von 58 Prozent. Das bedeutet konkret: Etwas mehr als jedem zweiten Studierenden in Deutschland sind die Top-7-Unternehmen der Sparte geläufig. Im Vergleich mit den Bekanntheitsgraden elf weiterer ausgesuchter Branchen bedeutet dies Platz 8. In der Außendarstellung hat mit einem Spitzenwert von 94 Prozent  der Einzelhandel die Nase vorn (Rang 1). Dagegen bedeuten 22 Prozent im Maschinen- und Anlagenbau den 12. und letzten Platz des Rankings.

In der vorangegangenen Erhebung der “Fachkraft 2020”-Studienreihe im März 2015 wurden zahlreiche Branchen auf ihre Beliebtheit hin untersucht. Dabei wurden auch die sieben attraktivsten Arbeitgeber jeder Branche identifiziert. Diese stehen im Mittelpunkt der aktuellen Artikelserie.

Nur für durchschnittlich 35 Prozent derjenigen Studentinnen und Studenten, die die Top-7-Unternehmen des Logistiksektors kennen, wäre eine Karriere in diesem Bereich vorstellbar. Das sind in etwa halb so viele wie bei der beliebtesten Branche, der Automobilindustrie (62 %) – und nur zehn Prozentpunkte mehr als bei der unter zukünftigen Hochschulabsolventen als Arbeitgeber am wenigsten interessanten Telekommunikationssparte (25 %). Die Befragungen zur Studienreihe „Fachkraft 2020“ werden seit September 2012 zweimal pro Jahr in wissenschaftlicher Kooperation zwischen Studitemps und dem Department of Labour Economics der Maastricht University durchgeführt. Dabei werden jedes Mal mehr als 20.000 Studierende befragt. Nächste Erhebung: September 2016.

 

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Ehemalige Staatsunternehmen hinsichtlich Bekanntheit klar im Vorteil

Deutsche Bahn (99 %) und Deutsche Post (99 %) kennen natürlich so gut wie alle Studentinnen und Studenten. Damit kann es der drittplatzierte Konzern Deutsche Lufthansa Cargo – mit immerhin noch 64 Prozent – nicht ganz aufnehmen. 62 Prozent Bekanntheit reichen DB Schenker zu Platz 4 im internen Vergleich. Deutlich weniger präsent sind die Unternehmen Dachser mit 37 Prozent sowie Kühne und Nagel mit 27 Prozent. Kaum bekannt ist Hamburger Hafen und Logistik (19 %) – das Unternehmen kennt gerade einmal jeder fünfte Studierende.

Bekannt: ja! Attraktiv als Arbeitgeber: eher nicht!

Dem akademischen Nachwuchs zwar zu beinahe 100 Prozent bekannt, überzeugen Deutsche Bahn und Deutsche Post dennoch nicht als potenzielle Arbeitgeber. Es können sich lediglich 29 bzw. 30 Prozent der Befragten vorstellen, später in einem der beiden Unternehmen zu arbeiten. Über deutlich mehr Zustimmung freuen sich Deutsche Lufthansa Cargo (48 %), DB Schenker (47 %) sowie Kühne und Nagel (44 %). Auch Dachser liegt mit 33 Prozent noch vor den beiden Branchenriesen. Lediglich Hamburger Hafen und Logistik (20 %) erzielt schlechtere Werte.

Wenig Argumente für eine Karriere in der Branche

Bei der Analyse studentischer Jobwahlkriterien muss die Logistik-Sparte in gleich drei Kategorien die schlechtesten Ergebnisse im Branchenvergleich hinnehmen: Organisation / Führungsstil (66 %), Social Media Präsenz (53 %) und Freizeit- / Sportangebote (43 %). Mit Blick auf Work-Life-Modelle scheinen die Studierenden gleichfalls wenig Innovatives zu erwarten – 61 Prozent bedeuten ein klar unterdurchschnittliches Ergebnis. Und auch für die Karriereperspektive so entscheidende Aspekte wie beispielsweise Aufstiegsmöglichkeiten (68 %) oder Ausbildung / Weiterbildung (79 %) werden vergleichsweise mäßig bewertet.

 

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Fazit von Studitemps: Im Bereich Logistik scheint sich aus Sicht der zukünftigen Hochschulabsolventen zu wenig zu bewegen. Nahezu ausschließlich schlechte bis mittelmäßige Ergebnisse bei der Auswertung der Jobwahlkriterien von Studierenden zeugen von einem etwas angestaubten Branchenimage. Anders gesagt: Die Studierenden scheinen mehrheitlich nicht davon überzeugt zu sein, dass die Logistik-Branche ihnen moderne und flexible Karriereoptionen offerieren könnte. Zeit also, die Nachwuchsakademiker für sich zu gewinnen – idealerweise bereits im Studium.

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