Julia Menke
Fachkraft Studie

Frauenquote und Elternzeit: Chancengleichheit oder Karrierekiller?

Julia Menke
Julia Menke
veröffentlicht am 19.8.2021

Chancengleichheit und Gleichberechtigung für Frauen in Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft wird hinsichtlich der Frauenquote schon aktiv seit den 1980er Jahren gefordert. In der Theorie ein erstrebenswertes Ziel, in der Praxis jedoch nach wie vor ein kontrovers diskutiertes Thema und dazu holprig in der Umsetzung. Auch hinsichtlich der Elternzeit befürchten, vor allem Frauen ein unruhiges Pflaster auf ihrem Karriereweg, zumindest nach Inanspruchnahme.

Wie kann es sein, dass gesetzliche Vorgaben und rechtliche Ansprüche, die ins Leben gerufen wurden, um geschlechtlicher Diskriminierung entgegenzuwirken, letztlich Angst vor negativen Auswirkungen schüren und für Genderdiskussionen sorgen? Zusammen mit der Maastricht University haben wir dies zum Anlass genommen, ein Stimmungsbild unter Studierenden zum Thema „verbindliche Frauenquote” sowie „Elternzeit und Beruf” einzuholen. Diese Sonderauswertung stammt aus der 18. Runde der Fachkraft 2030 Reihe. Befragt wurden dabei rund 12.000 Studient*innen deutschlandweit im März und April 2021. Zunächst aber werfen wir einen Blick auf den Status quo.

Was hat die Frauenquote überhaupt in der Privatwirtschaft für eine Bedeutung?

Aktuell liegt der weibliche Anteil in Unternehmen, die unter die Quotenregelung fallen bei 35,4 Prozent – im Vergleich, 2015 lag er bei lediglich 25 Prozent. In Aufsichtsräten ohne dieser Regelung liegt der Frauenanteil bei nur 19,9 Prozent. Auch ist auffällig, dass der Frauenanteil an Führungspositionen in den mehr als 100 Unternehmen, die unter die feste Geschlechterquote für die Aufsichtsräte fallen, deutlich schneller und höher gestiegen ist, als in den Unternehmen, die sich nur freiwillige Zielgrößen setzen müssen. Gesetzesvorlagen, so das vermeintliche Ergebnis, bringen also mehr Fortschritt, denn freiwillige Umsetzungen aufgrund gemeinsamen Konsens. Doch besteht die „Angst vor der Quote" auf männlicher Seite?

„Grundsätzlich halte ich die Unterrepräsentation von Frauen in Führungsgremien für ein schwerwiegendes Problem. Als Führungskraft und entschiedener Gegner jeglicher Art von Diskriminierung stelle ich daher seit Jahren sicher, dass unsere Stellen ausschließlich auf Basis von Qualifikation vergeben werden. Der demographische Wandel bringt unaufhaltsam eine Generation von Führungskräften in Verantwortung, denen Diskriminierung genauso fremd ist, wie mir und meinen Kolleg*innen bei Studitemps. Diese Generation unterstützen wir schon jetzt durch intelligente Matching-Algorithmen, die frei von Vorurteilen aufgrund rein sachlicher Handlungsmaximen die Personalauswahl revolutionieren. Ob für die Übergangsphase eine Frauenquote zielführend ist, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen. Diskriminierung mit Diskriminierung zu bekämpfen scheint jedoch zumindest fragwürdig zu sein."

– Tim W. (Vice President Product bei Studitemps)

Frauen sind im Top-Management, sprich Vorstand und Aufsichtsräte der deutschen Wirtschaft weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Am 25. Juni 2021 stimmte der Bundesrat dem zweiten Führungspositionengesetz zu. Frauen müssen daher bei der Besetzung von Managementpositionen in großen Unternehmen stärker berücksichtigt werden (gilt für börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten, deren Vorstand aus mehr als 3 Mitgliedern besteht). 

„Ich glaube wir erzielen keinen Fortschritt durch eine festgesetzte Quote, sondern eher durch Veränderung im Mindset. Dennoch ist die "Quote" ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung.”

– Hana B. (Vice President Finance Operations bei Studitemps)

Elternzeit – für Männer wie für Frauen ein Karrierekiller?

Ein anderes großes Thema mit Bezug auf Chancengleichheit und etwaiger Diskriminierung im Beruf ist die Elternzeit. Seit 2015 können beide Elternteile gleichzeitig flexibel bis zu drei Jahre Elternzeit in Anspruch nehmen. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist dabei nicht erforderlich. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Elternzeitquote von 2009 bis 2019 um rund ein Drittel an. Allerdings: Der Anteil der Väter in Elternzeit bleibt verschwindend gering. Im Jahr 2019 waren fast ein Viertel aller Mütter, deren jüngstes Kind unter 6 Jahren ist, in Elternzeit. Unter den Vätern traf dies nur auf 1,6 % zu. Bei Kindern unter 3 Jahren waren 42,2 % der Mütter und 2,6 % der Männer in Elternzeit.

Aber erachten Frauen die Möglichkeit Elternzeit in Anspruch zu nehmen wirklich als Risiko hinsichtlich ihrer Karrierechancen? Und warum gehen im Vergleich zum Vater doch deutlich mehr Mütter in die Babypause? Setzt sich hier das konventionelle Frauenbild doch durch?

„Ich hatte zu keinem Moment Sorge nicht wieder Fuß zu fassen, vielmehr wurde mir bereits vor und während der Elternzeit eine neue Möglichkeit der Weiterentwicklung angeboten.”

– Hana B. (Vice President Finance Operations bei Studitemps)

Zwar sind es prozentual im Vergleich noch wenige Väter, die ihre Chance auf die Eltern-Kind-Bindung frühzeitig beanspruchen und jobtechnisch eine Pause einlegen. Hier scheint sich aber gerade etwas zu verändern. 2020 sollen demnach ca. 462 300 Väter Elterngeld bezogen haben und jeder vierte Elterngeldbeziehende war männlich (25 Prozent). Im Vergleich, 2015 waren es erst 21 Prozent. Dafür nehmen Väter deutlich kürzer Elternzeit als Mütter.

„Ich befinde mich in der wunderbaren Situation, die Elternzeit mit meinem Sohn ohne Sorge vor negativen Implikationen genossen zu haben und recht bald auch noch einmal in Anspruch nehmen zu können. Ich denke, dass ein Unternehmen heutzutage viele interessierte Talente verschrecken würde, wenn es die Elternzeit zu einem negativen Erlebnis für seine Mitarbeiter*innen macht. Demnach bin ich sehr zuversichtlich, dass sich die Situation weiter positiv entwickeln wird. Wer sich heute vor der Entscheidung "Elternzeit oder Karriere" sieht, sollte auch einen Arbeitgeberwechsel nach der Elternzeit ernsthaft in Betracht ziehen. Hierdurch entstehen oftmals ungeahnte Karrieremöglichkeiten!"

– Tim W. (Vice President Product bei Studitemps)

Und was sagen unsere Student*innen, die Arbeitnehmer*innen von morgen? 

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Studenten und Studentinnen befürworten mit großer Mehrheit eine verbindliche Frauenquote für Aufsichtsräte / Vorstände (M 60,4 % / W 77,9 %), Politische Ämter / Mandate (M 61,6 % / W 76,4 %), Professuren (M 58,2 % / W 72,4 %).  

„Dadurch, dass man als Frau in der heutigen Zeit immer besser in Jobs kommt, stellt sich natürlich die Frage, ob eine Frauenquote notwendig ist. Ich finde das Prinzip wirklich gut, jedoch würde ich persönlich nicht wollen, dass ich mich fragen muss, ob ich in den Job nur wegen einer Quote gekommen bin, oder wegen meiner Qualifikationen. Ich finde es schade, dass es aktuell noch notwendig ist, durch eine Vorschrift klar zu machen, dass in dem gleichen Job eine Frau genau so qualifiziert sein kann, wie ein Mann.” – Pia G. (BWL Studentin)

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57 % der Studenten und knapp 80 % der Studentinnen glauben, dass die Inanspruchnahme von Elternzeit einen negativen Einfluss auf ihre Karriere hat. Über die Hälfte der Frauen befürchtet Nachteile, unabhängig davon, wie lange sie in Elternzeit gehen – bei den Männern sind es lediglich 23,5 %.

„Man macht sich, auch wenn man noch nicht in der Situation ist, natürlich jetzt schon manchmal Gedanken, wie es später mit dem Kinderwunsch aussieht. Gerade in dem Bereich Wirtschaft, ist es nicht selten, dass eine erfolgreiche Karriere erwünscht ist, die man durch den Gedanken jedoch früh erreichen möchte, da die Elternzeit einen offensichtlich für einige Zeit auf andere Ziele fokussieren lässt. Ich denke, dass es in jedem Betrieb jedoch, egal ob für Sie oder Ihn, möglich sein sollte, sich eine Auszeit für das Kind zu nehmen, ohne mit negativen Konsequenzen rechnen zu müssen. Durch die digitalen Möglichkeiten ist Homeoffice auch nichts Neues, weshalb man dadurch auch die Elternzeit prinzipiell verkürzen und von dort aus arbeiten kann und somit auch Möglichkeiten hat, Ängste und Herausforderungen durch Kompromisse zu händeln.” – Pia G. (BWL Studentin)

Fazit

Insgesamt ist hier die Einstellung einer neuen, offenen Generation zu sehen. Diejenigen, die keine negativen Auswirkungen befürchten, da schlichtweg die Erfahrungswerte fehlen und jene, die die Elternzeit als Selbstverständlichkeit ins Unternehmen tragen, ohne berufliche Nachteile zu fürchten. Oder es wird davon ausgegangen, dass sie (die männlichen Studierenden) lediglich eine so kurze Zeit (oder gar nicht) in Elternzeit gehen werden, dass es beruflich kaum Auswirkungen hat. So oder so, und das scheint der Status quo zu untermauern findet zurzeit ein gesellschaftliches Umdenken statt, welches mit den konventionellen Rollenbildern brechen möchte, sei es durch erzwungene Auflagen, wie die der Frauenquote oder die Chance, die sich durch die Ausweitung der Elternzeit den Männern zur Vater-Kind-Bindung bietet.

Julia Menke
Über den Autor

Julia Menke

Meine Leidenschaft sind Bücher, weshalb ich auch den Studiengang Literatur, Kultur und Medien an der Universität zu Siegen wählte. Nach meinem anschließenden Volontariat im PR- und Marketingbereich und einigen Jahren in einer Marketingagentur, bin ich nun schon seit längerem als PR & Content Marketing Manager tätig.