Michael Scharsig
Fachkraft Studie

Absolventen gewinnen und binden: Gehalt ist nicht alles!

Michael Scharsig
Michael Scharsig
veröffentlicht am 28.9.2015

Es klingt ein bisschen nach Binsenweisheit, ist aber Realität: Unternehmen, die in strukturelle Mitarbeiterzufriedenheit investieren, können beim Lohnniveau deutliche Einsparungen verbuchen – und junge Absolventen trotzdem prima an sich binden. Nachfolgend werden hierzu 4 Möglichkeiten beleuchtet: (1) Wochenarbeitszeit, (2) Standortattraktivität, (3) Jobsicherheit und (4) „weiche“ Faktoren. Die Zahlen entstammen der Studienreihe „Fachkraft 2020“, die Studitemps seit 2012 mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University kooperativ durchführt. Über 20.000 Studierende wurden zu dem Thema befragt.

Attraktivitäts-Garant 1: Wochenarbeitsstunden

Grundsätzlich gilt, dass niemand gerne lang und länger arbeitet. Insofern führt bei gleicher Bezahlung eine geringere Anzahl an Wochenarbeitsstunden zwangsläufig zu einer höheren Jobattraktivität. Doch wie genau bemisst sich „Mehrarbeit“ beim Lohn? Geht es darum, die Jobattraktivität auf einem identischen Niveau zu halten, benötigen Absolventen laut einer aktuellen Analyse der Studienreihe „Fachkraft 2020“ im Durchschnitt ein Plus von 10 Euro netto pro zusätzlich geleisteter Arbeitsstunde.

Attraktivität / Arbeitsstunden

Attraktivitäts-Garant 2: Stadt sticht Land

Absolventen ziehen für den Job nicht gerne um. Das heißt: Idealerweise gelingt der Berufseinstieg in demselben Bundesland, in dem auch das Studium abgeschlossen wurde. Und was kostet der Umzug, wenn er doch von Nöten ist? Deutschlandweit lassen sich junge Absolventen für ein Plus von etwa 350 Euro netto pro Monat davon überzeugen, die Heimat zu verlassen. Darüber hinaus gibt es klare Präferenzen mit Bezug zu einzelnen Regionen und Städten.

So gilt innerhalb der Bundesländer folgende Faustregel: Je größer die Stadt, desto attraktiver der Arbeitgeber. In Zahlen: Um Berufseinsteiger aus der Großstadt in eine ländliche Region zu locken, bedarf es eines monatlichen Lohnanstiegs von rund 300 Euro netto (um identische Jobattraktivität zu erwirken). Der geringere Reiz von Klein- und Mittelstädten kann im Vergleich zur Großstadt durch 90 Euro bzw. 220 Euro netto pro Monat ausgeglichen werden.

Studienorte

Attraktivitäts-Garant 3: Jobsicherheit

Generation Y hin oder her: Arbeitsplatzsicherheit ist und bleibt ausschlaggebend für Berufseinsteiger, sich für oder gegen Job und Arbeitgeber zu entscheiden. Sicherlich haben sich die Ansprüche von Absolventen in den letzten Jahren im Bereich Work-Life-Balance verändert, dennoch gilt: Wer einem jungen Akademiker statt eines befristeten Vertrages einen unbefristeten anbietet, kann im Monat durchschnittlich 320 Euro Nettolohn sparen – bei identischer Attraktivität.

Attraktivität / Arbeitsvertrag

Attraktivitäts-Garant 4: Weiche Arbeitgeberattribute

Lohnt sich der unternehmenseigene Kindergarten? Welchen Einfluss hat schlechter PR auf die Rekrutierung von Absolventen? Besonders weiche Jobfaktoren sind für Personalverantwortliche schwierig zu beziffern. Laut Studienreihe „Fachkraft 2020“ bevorzugen junge Akademiker bei der Berufswahl eindeutig familien- und umweltfreundliche Arbeitgeber. Auch das soziale Profil ist entscheidend. Dagegen schrecken hohe Mitarbeiterfluktuationen und insbesondere öffentliche Kritik deutlich ab.

In Euro umgerechnet, bedeutet dies exemplarisch: Wird einem Berufseinsteiger ein identischer Job (1) bei einem öffentlich kritisierten und (2) bei einem familienfreundlichen Unternehmen angeboten, so liegt der monetäre Attraktivitätsausgleich bei etwa 600 Euro Nettolohn pro Monat. Das heißt: Investment in Familienfreundlichkeit lohnt sich extrem.

Attraktivität / Faktoren

Fazit von Studitemps: Die 4 beschriebenen Ansätze verdeutlichen, wie erheblich die Ersparnis beim Lohn sein kann, ohne als Arbeitgeber an Attraktivität zu verlieren. Sicherlich: Beim Thema Standort gibt es tendenziell wenig Handlungsspielraum (gebaut ist gebaut), aber Faktoren wie Familienfreundlichkeit oder Jobsicherheit sind steuerbar. Wo dies zum Vorteil junger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gelingt, lautet der Vorteil auf Arbeitgeberseite: Lohnersparnis. Ein fairer Deal.

An der diesen Ergebnissen zugrunde liegenden Befragung haben über 20.000 Studierende teilgenommen. Konkretes Beispiel zur Veranschaulichung der Ergebnislage: Die unten befindlichen Jobofferten wurden mit Blick auf die Attraktivität von den teilnehmenden Hochschülerinnen und Hochschülern als identisch eingestuft.

Michael Scharsig
Über den Autor

Michael Scharsig

Mein Name ist Michael, ich habe früher für Studitemps gearbeitet und Artikel für das Jobmensa Magazin verfasst. 2013 habe ich mein JPR-Studium (Journalismus/Public Relations) abgeschlossen. Parallel dazu war ich rund zwei Jahre als Online-Fußballredakteur in NRW unterwegs und bin anschließend für drei Monate nach London gegangen. Dort lernte ich dann Marketing und Instagram näher kennen. In meiner letzten Station hatte ich als PR-Volontär mit Social Media und Blogger Relations zu tun. Privat bin ich außerdem Filmblogger und habe 2014 eine Rock-am-Ring-Facebook-Seite betreut, die sich dafür einsetzte, dass Festival in meine Heimat zu holen. Hat nicht geklappt, aber Spaß hat's gemacht.