Studenten als Kursleiter für Migranten



„STUDIS helfen“ vermittelte drei Studenten an das Integrationshaus in Köln Kalk. Hier arbeiten sie ehrenamtlich als Sprachkursleiter für Migrantinnen und Migranten. Der Kurs „Raus mit der Sprache - Rein ins Leben: Ein Training zur Überwindung von Sprachhemmungen“ richtet sich an Männer und Frauen, die ihre Sprachkenntnisse trainieren möchten. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, sich sprachlich auszutauschen und eigene Themen einzubringen.

PROJEKTBERICHT


Köln, 15.11.2012: Theresa ist ein wenig aufgeregt, gleich beginnt der Unterricht – ihr Unterricht. Sie lehrt Deutsch als ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Integrationshaus e.V. in Köln. Ihr Auditorium: Migrantinnen und Migranten aus dem rechtsrheinisch gelegenen Stadtteil Kalk. „Es ist zu befürchten, dass ich derart lernwillige Zuhörer später an der Schule nicht mehr haben werde“, sagt die 22-jährige Germanistik-Studentin aus Bonn lächelnd. Dann schließt sie die Tür. Kalk hat einen hohen Ausländeranteil, viele Menschen haben ihre Wurzeln in der Türkei, Italien oder dem Irak. Die Vielfalt der Lebenswelten spiegelt sich auch in der Arbeit des Vereins wider, man setzt auf Toleranz. Aktuell werden Werke von vier Künstlerinnen und Künstlern im Rahmen der 8. KalkKunst ausgestellt. Es sind augenscheinlich hochwertige Aktfotografien, die im Eingangsbereich der Einrichtung hängen. Wir stellen Gertrud Weitze-Altreuther, stellvertretende Vorsitzende und pädagogische Leiterin des Integrationshauses, die Frage, ob die Bilder angesichts der Vielzahl muslimischer Besucher nicht ein kulturelles Wagnis seien, eine Provokation? „Nein“, lautet die Antwort, „uns geht es ausschließlich um die Darstellung weiblicher Ästhetik und um einen unbeschwerten Umgang damit – fernab jeglicher Symbolik.“ Zwar habe die dreiwöchige Ausstellung zu Beginn Verwunderung hervorgerufen, nie jedoch Ärger, nicht im Ansatz. Inzwischen hätten alle Beteiligten einen eigenen Zugang zu den Darstellungen entwickelt.



Schon die ersten Eindrücke unseres Besuchs verdeutlichen, wie soziale und kulturelle Differenzen im Integrationshaus angegangen werden: lösungsorientiert. „Toleranz, Respekt und Menschlichkeit“, nennt es Geschäftsführerin Elizaveta Khan,“dabei ist die individuelle Sprachkompetenz der Schlüssel zur Teilhabe und Teilnahme an der Gesellschaft.“ Ent- sprechend haben sie und Frau Weitze-Altreuther die Einrichtung mit dem Anspruch eröffnet, Menschen aus aller Welt den sprachlichen und kulturellen Zugang zur deutschen Gesellschaft zu erleichtern. Passend dazu wurden die Seminarräume nach Erdteilen benannt, Theresa beispielsweise unterrichtet gerade in „Asien“.

Das Integrationshaus wurde am 01. Oktober 2010 als gemeinnütziger Verein gegründet, finanziert zunächst durch die beiden Geschäftsführerinnen, rein privat. „Sicherlich ist das nicht frei von Risiken“, sagt Frau Khan, aber man habe stets eine klare Vision gehabt, einen Plan, um aus dem anfänglichen Konzept eine tragfähige Einrichtung zu machen. Die hier angebotenen Integrationskurse werden vom Bundesministerium des Innern bezuschusst. Das schafft planerische Sicherheit, denn in der Regel wird die Laufzeit auf mindestens ein Jahr befristet, eher länger. Die Teilnehmenden der Integrationskurse werden durch das Ausländeramt oder das lokale Arbeitsamt direkt vermittelt. Es sind in der Regel Migrantinnen und Migranten, die das B1-Zertifikat nach dem GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen) anstreben. Für kleines Geld werden zudem Freiwilligenkurse angeboten – montags und donnerstags, je anderthalb Stunden, inklusive Kinderbetreuung. Einen der Kurse leitet Theresa, den Job hat sie erst zwei Wochen zuvor über „STUDIS helfen“ erhalten. „Als ich die Anzeige gelesen habe, war mein erster Impuls: Das will ich machen“, sagt sie. „Ich habe Spaß am Lehren und kann die Referenz des Integrationshauses natürlich prima für mein Studium gebrauchen.“ Die Teilnehmenden ihres Sprachkurses kommen allesamt aus Kalk, hauptsächlich in der Überzeugung, die bislang erworbenen Sprachkenntnisse weiter zu optimieren. „Gerade bei den Freiwilligenkursen ist schön zu sehen, wie engagiert und vorsorgend viele Migrantinnen und Migranten handeln“, schließt Frau Weitze-Altreuther,“ denn es geht ihnen um die Perspektive – beruflich, persönlich.“ Doch auch der Kontakt vor Ort, der Erfahrungsaustausch mit anderen Einwanderern spiele bei der Teilnahme eine gewichtige Rolle.
Zweifelsohne hat uns das Integrationshaus Einblicke gewährt, die in der teilweise verkürzten öffentlichen Wahrnehmung zur Integrationsbereitschaft von Zuwanderern (leider) nur wenig Aufmerksamkeit finden. Kulturelle Brücken wie das Integrationshaus verdienen Anerkennung und Unterstützung. „STUDIS helfen“ freut sich auf die weitere Zusammenarbeit.
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