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Studentische Berufsplanung: Medien und Autoindustrie total angesagt. Versicherungs- und Telekommunikationsbranche unbeliebt.

  1. Juli 2015

Wohin zieht es Absolventen nach dem Abschluss? Welche Branchen sind gerade angesagt – welche nicht? Wissenschaftliche Antworten hierzu liefert die jüngste Erhebung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“, an der bundesweit etwa 20.000 Studierende teilgenommen haben. Das Votum in Kürze: Während dem Medienbereich, der Automobilindustrie und der Sparte der Unternehmensberatung hohe berufliche Zustimmungswerte attestiert werden können, stehen die Weichen für Versicherungen und insbesondere die Telekommunikationsbranche auf Personalproblematik – jedenfalls im Bereich akademischer Abschlüsse.

Die Frage nach dem Wo des beruflichen Einstiegs ist gleich mehrfach relevant. Individuell zuvorderst, weil es um berufliche und (somit) private Lebensgestaltung geht. Zudem ökonomisch, weil Unternehmen und Branchen personell möglichst auf Sicht fahren wollen, gerade angesichts schwieriger demografischer Vorzeichen. Dieser Thematik entsprechend war es Teilziel der 6. bundesweiten Befragung zur Studienreihe „Fachkraft 2020“, den Diskurs zur beruflichen Attraktivität einzelner Wirtschaftsbereiche wissenschaftlich zu bereichern – kooperativ ermöglicht durch die Studitemps GmbH und das Department of Labour Economics der Maastricht University. Erhoben wurde im März 2015.

Längst nicht alle Schlüsselbranchen für Studenten von Interesse

Zur Veranschaulichung des studentischen Votums zunächst der prozentuale Blick auf die beliebtesten Wirtschaftsbereiche: In der Spitze gaben über 17 Prozent der rund 20.000 Befragten als individuelle Zielbranche den Medienbereich und das Verlagswesen an, gefolgt von der Automobilindustrie (11,9 %) und den Sparten Unternehmensberatung (7,4 %), Pharma/Biotechnologie (6,4 %) sowie IT/Soft- und Hardware mit 5,4 Prozent. Platz 6 des Rankings belegt mit einem Anteil von 5,1 Prozent die Konsumgüterindustrie.

Alle übrigen Branchen sind jeweils für weniger als 5 Prozent der Befragten beruflich attraktiv. Dabei ist hervorzuheben, dass den Schlussbereich des Rankings gleich zwei bedeutende Branchen bilden. So zeigte lediglich 1 Prozent der Befragten konkretes Interesse an einem post-graduellen Einstieg im Versicherungswesen – unterboten noch vom Telekommunikationsbereich, der mit 0,7 Prozent den letzten Platz der zur Auswahl angebotenen Branchen einnimmt.

„Das überragende studentische Interesse an Medienberufen kam für uns weit weniger überraschend als die relative Abgeschlagenheit des Versicherungswesens und der Telekommunikationsbranche“, fasst Benjamin Roos, Gründer und Geschäftsführer von Studitemps, die vorliegenden Ergebnisse zusammen.

Gehaltserwartungen und Wahrscheinlichkeit arbeitslos zu werden nur teilweise von Bedeutung

Die von den Studenten antizipierten Einstiegsgehälter, sowie die Wahrscheinlichkeit direkt nach dem Studium erst einmal arbeitslos zu sein, scheinen bei der Wahl der Wunschbranche nur teilweise von Bedeutung zu sein:

So wird in der Automobilbranche – immerhin Platz 2 im Ranking der Wunschbranchen – mit 45.000 EUR das im Schnitt nur vierthöchste Einstiegsgehalt erwartet. Gleichzeitig gehen 24 Prozent der Befragten Studenten davon aus, im Anschluss an das Studium nicht den direkten Jobeinstieg zu schaffen. Dies ist nach Maschinen- und Anlagenbau (21%) und der Software Branche (23%) immerhin der drittbeste Wert.

Der Einstieg im Medien- und Verlagsbereich scheint hingegen eher eine Herzenangelegenheit zu sein. Wie sonst ließe es sich erklären, dass das erwartete Einstiegsgehalt im Medienbereich mit 32.700 Euro, es nicht einmal in die Top 9 der Gehaltserwartungen schafft und sogar 44 Prozent der Studenten damit rechnen, nicht direkt nach Studienabschluss einen Job zu finden.

Nur die wenigsten Bachelors trauen sich auf berufliches Parkett

Zugleich lassen die vorliegenden Ergebnisse erhebliche studentische Zweifel an der Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses erkennen. So will im Durchschnitt lediglich jeder zehnte Bachelor-Absolvent den beruflichen Einstieg in einer der angebotenen Branchen wagen. Oder anders ausgedrückt: Die überragende Mehrheit vertraut beruflich auf höhere Abschlüsse wie Master oder Promotion.

Mit anteilig 18 Prozent zieht es die meisten Bachelor-Einsteiger in die Tourismusbranche, knapp dahinter liegen die Bereiche Messewesen (17 %) sowie Handel und E-Commerce mit jeweils 15 Prozent. „Dass der Spitzenbereich der Brancheneinsteiger auf Bachelorseite bereits bei unter 20 Prozent erreicht ist, kann bildungs- und auch wirtschaftspolitisch nicht gefallen. Hier muss etwas geschehen“, sieht auch Roos erheblichen Nachholbedarf bei der Umsetzung elementarer Bologna-Zielsetzungen.

Dazu der vergleichende Blick auf das Ende des Rankings, wo es die wenigsten Bachelor-Absolventen mit anteilig 6 Prozent in die sechs folgenden Branchen zieht: (1) Pharma und Biotechnologie, (2) Luft- und Raumfahrt, (3) Bankwesen, (4) Chemie, (5) Unternehmensberatung und (6) die Sparte der Steuerberatung/-prüfung.

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STUDITEMPS-Fazit: „Gerade die Bachelor Absolventen scheinen mehrheitlich kein adäquates berufliches Angebot zu sehen“, so Benjamin Roos, Gründer und Geschäftsführer von STUDITEMPS, „in der Konsequenz ist es nur logisch, dass sich die akademische Laufbahn vieler Studierender um mehrere Jahre verlängert. Hier gilt es über alle Branchen, frühzeitig etwaige Berührungsängste oder Vorurteile bei Studenten abzubauen, um Topleute früh zu entdecken und zu binden. Jobangebote für Studenten in Zeitarbeit können hier als Einstieg dienen und eine wichtige strategische Rolle spielen.“

Festzuhalten bleibt damit, dass der Bachelor in Deutschland auch gut eine Dekade nach seiner Einführung nur partiell als Ticket in den Beruf wahrgenommen wird. „Bologna“ dürfte der Politik, der Gesamtwirtschaft und den Einzelbranchen als Thema einstweilen erhalten bleiben.

Auf Anfrage können folgende Daten gerne graphisch aufbereitet zur Verfügung gestellt werden:

Branche Ranking
gesamt
Erwartetes Bruttogehalt pro Jahr bei Berufseinstieg Erwartete Wahrscheinlichkeit nach Studienabschluss arbeitslos zu sein Anteil Bachelor höchster Abschluss Erwartete Wochenarbeits-stunden bei Berufseinstieg Erwartete Jobzufriendenheit
bei Berufseinstieg
Medien / Verlag 17,1% 32.663 € 44% 13% 41 6,83
Automobilindustrie (gesamt) 11,9% 45.002 € 24% 10% 41 7,47
Unternehmensberatung 7,4% 41.359 € 27% 6% 44 7,26
Pharma / Biotechnologie 6,4% 39.923 € 33% 6% 41 7,09
Software- / Hardwarehersteller 5,4% 43.001 € 23% 12% 41 7,57
Kosumgüterindustrie 5,1% 40.574 € 32% 14% 42 7,18
Bauwirtschaft 4,1% 40.216 € 27% 8% 43 7,26
Start-ups 3,9% 36.759 € 35% 12% 41 6,94
Energieversorgung 3,7% 40.697 € 26% 10% 41 7,17
Maschinen- / Anlagenbau 3,6% 43.449 € 21% 8% 41 7,47
Internetunternehmen 3,5% 41.441 € 27% 13% 41 7,14
Luft- und Raumfahrt 3,3% 45.805 € 26% 6% 41 7,18
Tourismus 3,2% 35.101 € 34% 18% 41 6,94
Bankwesen 2,9% 46.328 € 26% 6% 44 7,27
Steuerberatung / Wirtschaftsprüfung 2,9% 46.859 € 26% 6% 46 7,32
Chemie 2,9% 44.519 € 29% 6% 41 7,26
Handel (Groß- und Einzelhandel) 2,8% 40.491 € 32% 15% 42 6,75
Logistik & Verkehr 2,6% 39.895 € 29% 14% 41 7,08
Immobilien 1,8% 44.930 € 30% 11% 42 6,85
Finanzdienstleister 1,6% 41.730 € 28% 12% 42 7,05
E-Commerce 1,5% 40.047 € 26% 15% 40 6,67
Versicherung 1,0% 41.764 € 31% 9% 41 7,17
Messewesen 1,0% 31.462 € 34% 17% 40 6,63
Telefonanbieter 0,7% 38.183 € 32% 13% 39 7,28

 

Bildquelle: STUDITEMPS, Pressmaster/shutterstock.com


Über STUDITEMPS

Die STUDITEMPS GmbH ist ein innovatives Unternehmen für die Vermittlung von Studenten in Zeitarbeit. Dank der Spezialisierung auf attraktive, flexible und zugleich faire Lösungen am akademischen Stellenmarkt, bieten wir Studenten und Unternehmen die intelligenteste und flexibelste Form der Zeitarbeit.
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